The Czars - The ugly people -vs- The beautiful people

The Czars- The ugly people -vs- The beautiful people

Bella Union / EFA
VÖ: 09.11.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Veni, vidi, vici

Es ist sicherlich kein Geheimnis, daß die elterliche Erziehung einen entscheidenden Faktor für die Entwicklung eines Menschen darstellt, denn schließlich prägt nichts so sehr, wie die Mitmenschen, mit denen man regelmäßig verkehrt. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, kann man sich die Kindheit der fünf Männer aus Denver, Colorado, die unter dem Namen The Czars zusammen Musik machen, nur zu gut ausmalen. Wenn der bettelnde Filius eine Cola erbat, wurde ein Hagebuttentee gekocht, statt eines Mittagessens in der McDonald's-Filiale um die Ecke kam Beef mit lecker Mintsoße auf den Tisch und ein Poster von Michael Jordan durfte die Kinderzimmerwand selbstredend auch nicht zieren - Gary Lineker sahen die Eltern da schon lieber. Das klingt zwar nicht gerade nach einer angenehmen Kindheit, erweist sich aber als äußerst effektiv, denn den Aufnäher mit dem Schriftzug "Britischste Band Amerikas" dürfen die Czars getrost an ihren Reebok-Rucksäcken anbringen. Eine Tatsache, die im Land von College-Rock und New-Metal eine Ausnahmestellung garantiert.

Longplayer Nummer zwei aus dem Hause der Czars bietet demnach zwölf angenehm nüchterne Songs, die sich von unnötigem Pathos abgrenzen wie Irland vom Vereinigten Königreich und stattdessen meist auf spärliche, aber dennoch effektive Instrumentierung setzen. Einziger Luxusgegenstand, den sich die Czars gönnen, ist eine von Bandkumpan Ron Miles getrötete Trompete, die allerdings nie zum reinen Selbstzweck verkommt, sondern stets im Dienste des Songs spielt. Im Verlauf von "The ugly people -vs- the beautiful people" schlagen die Czars mit Vorliebe die leisen und ruhigen Töne an. Songs wie das siebenminütige "Autumn" entfalten sich in Zeitlupe zu majestätischen Epen von unbeschreiblicher Tiefe. Nicht umsonst heißt es im eröffnenden "Drug" "This is not ecstasy". Die Czars sind nämlich nicht auf den schnellen Kick von kurzer Dauer aus. Sie wirken um einiges nachhaltiger als die bunten Pillen und wissen eine Überdosierung stets zu verhindern.

Im Angesicht solch verschüchterter Schönheit reibt man sich verwundert die Augen, wenn der druckvolle Baß von "This" die Tür zum Kaminzimmer eintritt. Sänger John Grant beschwert sich lautstark über eine verflossene Liebe, während die Trompete der bemitleidenswerten Dame den Marsch bläst. Dies ist zwar weitaus weniger filigran, als man die Czars bisher kennen lernen durfte, aber sicherlich nicht weniger effektiv. Dieser Gegensatz zwischen leiser Trauer und lautem Getöse führt letztlich auch auf die richtige Fährte zur Lösung des Rätsels um den zungenbrechenden Bandnamen. Wortgewandheit und Charisma, Zielstrebigkeit und Geradlinigkeit - all diese Eigenschaften, die einst römische und russische Herrscher gleichermaßen charakterisierten, wissen die Czars nämlich auf sich zu vereinen. Und das sollte man anerkennen. Auch Du, mein Sohn Brutus!

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Drug
  • This
  • Autumn
  • What used to be a human

Tracklist

  1. Drug
  2. Side effect
  3. Killjoy
  4. Caterpillar
  5. Lullaby 6000
  6. This
  7. Autumn
  8. Black and blue
  9. Anger
  10. Roger's song
  11. What used to be a human
  12. Catherine

Gesamtspielzeit: 60:37 min.

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