Robert Francis - Before nightfall

Robert Francis- Before nightfall

Atlantic / Warner
VÖ: 25.06.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Scherben bringen Glück

Der erste Blick regiert die beginnende Liebe, das letzte Wort die endende - und das lautet bei Robert Francis immer noch: Herz. Oder um es im ganzen Satz zu sagen: "I had a good heart." Der Gute ist mit seinen knapp 23 Jahren jung genug, um eine Zeile wie diese nicht aus Selbstmitleid, sondern aus juveniler Hingabe zu singen. Und von selbiger hat das Major-Debüt des Kaliforniers jede Menge parat - in den Texten, in der Stimme, in der Musik. Die nüchterne Gleichung dazu lautet: Fünf Jahre stürmische Beziehung mit außergewöhnlicher Liebes- und Leidens-Amplitude ergeben genügend Material für zwei Alben.

2007 erschien das erste, damals noch bei einem Indie-Label. Vom Titeltrack "One by one" konnte Francis sich ebensowenig trennen wie von den Gedanken an die Verflossene, deswegen ist der Song nun auch auf dem Nachfolger "Before nightfall" zu finden, in einer leicht überarbeiteten Version. Musikalisch wäre die Zweitverwertung nicht unbedingt nötig gewesen, schließlich bergen die neuen Stücke noch bessere Ideen. Dramaturgisch ergibt das Ganze aber durchaus Sinn - "One by one" hat eine zentrale Position in der Scherbengemeinschaft, die sich mindestens in einem einig ist: Für die entscheidenden Sekundenbruchteile gibt es keinen Kleber.

Es ist schon ein wenig pathetisch, den Bericht zur emotionalen Insolvenz mit einem Song namens "Darkness" zu eröffnen und "I never was the one for you / You never were the one for me" zu trotzen. Sein Klagelied in gefühlsechten Indie-Rock zu tauchen, der streng genommen weder richtig nach Indie noch richtig nach Rock, sondern eher nach dem unausgeschöpften Potenzial von John Mayer klingt, geht hingegen mehr als klar. Das glitzernde Piano und die Funken sprühende Gitarre sowieso. Und ohne die Dunkelheit zu Beginn könnte die hübsche Single "Junebug" schließlich nur halb so schön beweisen, dass sie eher Glühwürmchen als Junikäfer ist. Allerdings leuchtet nicht jeder der zwölf Songs gleißend hell, so manche Songstruktur und Melodieführung ist dann doch etwas zu vorhersehbar, wenn auch durchweg geschmackvoll.

Seine erste Klampfe bekam Francis als Neunjähriger geschenkt - von keinem Geringeren als Ry Cooder, einem Freund der Familie, der nun auch die Steel Guitar bei "Climb a mountain" bedient. Den größten Eindruck hinterlässt jedoch Francis' Stimme, die gerade deswegen so anschmiegsam ist, weil er sie nicht vollständig gezähmt hat. Authentizität ist auch das große Plus der Produktion - alles klingt so nah, so echt und pulsierend, als wäre man live dabei. Dass in "I like the air" plötzlich The Doors mitschwingen, kann nicht nur am Vintage-Equipment liegen, und auch der U2-Bass von "Keep on running" und die Phil-Spector-Referenz in "Hallways" zeigen, dass Schulabbrecher Francis wenigstens in Geschichte gut aufgepasst hat. Von der Riesenportion Naturtalent ganz zu schweigen. Wer den Blues hat, braucht für den Spot nicht zu sorgen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Darkness
  • Junebug
  • Mescaline

Tracklist

  1. Darkness
  2. Junebug
  3. Nightfall
  4. Climb a mountain
  5. I like the air
  6. Keep on running
  7. Mescaline
  8. Where you came from
  9. One by one
  10. Hallways
  11. Playground
  12. Do what I can

Gesamtspielzeit: 43:34 min.

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