Framing Hanley - A promise to burn

Framing Hanley- A promise to burn

Silent Minority Group / Warner
VÖ: 28.05.2010

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Verbranntes Plastik

Die moderne Welt wird ja immer schneller und hektischer. Informations-Overkill, wohin man blickt, hört oder riecht. Kein Wunder, dass manches nicht mehr so lange im Gedächtnis bleibt wie noch vor 20 Jahren. Aber vielleicht erinnert sich ja trotzdem noch jemand: Vor gerade einmal ein paar Wochen rezensierte der Verfasser dieser Zeilen das Switchfoot-Album "Hello hurricane". Kurz zusammengefasst gefiel ihm jener Tonträger eben deshalb so gut, weil sich Switchfoot von der Masse amerikanischer 08/15-Alternativebands abheben. Einerseits durch echte Leidenschaft und Authentizität, andererseits durch musikalischen Ideenreichtum und einen Mut zum Risiko, der so vielen anderen Bands abgeht. Und wie es der Zufall so will, kommt jetzt die ideale Möglichkeit daher, diese Aussagen mit Beweisen zu untermauern. Denn Framing Hanley sind genau eine dieser gesichtslosen Bands, von denen sich Switchfoot so wohltuend unterscheiden.

Schon das Bandfoto lässt Schlimmes erahnen. Fünf semi-alternative Twentysomethings mit mittellangen, perfekt gestylten Haaren blicken einem da entgegen. Die H&M-eingekleidete Austauschbarkeit der Musiker lässt sich eins zu eins auf das Gemurkse übertragen, das die Band auf "A promise to burn" als tiefgründigen Alternative Rock verkaufen will. Framing Hanley bieten nichts, wirklich nichts, was ihnen in irgendeiner Form Eigenständigkeit verleihen würde. Der glattpolierte Midtempo-Gitarrenrock des Quintetts ist so vorhersehbar wie das Happy-End in einem Roman von Rosamunde Pilcher. Die Konsequenz, mit der sich hier zahnlose Rocksongs mit affektiert vorgetragenen Streicher-Balladen abwechseln, ist wahrhaft deprimierend. Ebenso ernüchternd sind an Ideenlosigkeit nicht zu überbietende Textzeilen wie "You are my world, my everything / You stupid girl, you're gonna be the death of me" oder "I'm a fool with dreams, and not a lot of things / I swear that I will be all you need, don't give up on me". Sogar Dieter Bohlen würden solche Banalitäten nicht einfach so rausrutschen. Überhaupt ist ein Glaubwürdigkeitsvorsprung gegenüber einem Castingshow-Sieger nicht mal mit der Lupe auszumachen. Das Klientel, das derart hohle Platitüden als Qualitätslyrik anpreist oder diesem musikalischen Fastfood mit Freudentränen in den Augen lauscht, will man sich besser gar nicht vorstellen.

Würde es sich bei einer Band wie Framing Hanley nur um einen Einzelfall handeln, einen Fehlgriff der Musikindustrie - man könnte darüber lachen, den Jungs das Köpfchen tätscheln und sie mal auf ein Radiohead-Konzert schicken. Aber leider ist es so, dass es Bands dieser Art wie Sand am Meer gibt, und dass sich deren Konsensrock zumindest in den USA verkauft wie geschnitten Brot. Ein grausamer Gedanke für Kulturpessimisten. Aber letzten Endes nur die logische Konsequenz des neokonservativen beziehungsweise neoliberalen Zeitgeists. Bleibt nur zu hoffen, dass Framing Hanley ihr im Albumtitel gemachtes Versprechen einlösen. Auch wenn es dann nach verbranntem Plastik stinken dürfte.

(Mark Read)

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Highlights

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Tracklist

  1. Intro
  2. The promise
  3. Wake up
  4. Bittersweet sundown
  5. Warzone
  6. You stupid girl
  7. Weight of the world
  8. Fool with dreams
  9. Back to go again
  10. Livin' so divine
  11. You
  12. Photographs and gasoline
  13. The burn

Gesamtspielzeit: 48:33 min.