Christina Aguilera - Bionic

Christina Aguilera- Bionic

RCA / Sony
VÖ: 04.06.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Unnatürlich blond

Christina. Von allen plüschig-pinken Pop-Blondinchen, die vor über zehn Jahren die Musikwelt eroberten, war sie doch immer die geschätzteste. Da klang nicht jeder Song gleich, sondern vielleicht nur jeder zweite - oder dritte. Die hat sich auch mal was getraut. Und rein gesanglich hatte Frau Aguilera ihren Mitstreiterinnen - allen voran Britney Spears - immer ein paar Meilen voraus. Und immerhin: Der zweite Kuss des Bräutigams namens Madonna bei den MTV Awards ging nicht an irgendwen, sondern an genau jene Christina Aguilera, die mittlerweile verheiratet und Mutter eines Sohnes ist - und die mit "Bionic" ihr viertes Studioalbum in den Startlöchern hat. Fakt ist, dass die Dame immer die Zweite war. Klar, erfolgreich ist sie, Geldsorgen hat sie in ihrer Villa mit den goldenen Toilettenpapier-Haltern sicher nicht. Man erinnert sich, das erste Album inklusive der Hitsingle "Genie in a bottle". Aalglatter Pop, stets hinter der Spears-Fraktion. Zweites Album, Aguilera ist böse, brünett und "Beautiful", orientiert sich an Kollegin Pink und der härteren Schale. Schön und gut. Drittes Album, da waren Soul und der Sound vergangener Tage wieder in Mode, und deswegen - naja, man kann es sich denken: "Back to basics" ging eben genau in diese Richtung.

Vielleicht hätte man ihr einfach mal sagen sollen: "Christina, Du hast eine tolle Stimme, mach was draus, etwas Eigenes! Nicht das, was alle anderen bereits vor Dir getan haben!" Und ganz vielleicht hätte das dann auch etwas gebracht. Wo sind wir also bei "Bionic" gelandet? Mal in die Charts schauen, wer gerade besonders richtig erfolgreich ist. Richtig. Eine andere Blondine, Anfang 20, eine Stimme, über die sich gewiss streiten lässt - aber einen kreativen Output, der viele an Madonna erinnert. In einem Wort: Gaga. Und weil diese Lady Gaga eben sehr elektronisch angehauchten Pop macht, bei dem man am besten noch weniger als sonst auf die Texte achtet, und das alles auch sehr clean, sehr steril, fast maschinell vorgetragen wird, macht Aguilera das jetzt eben auch. Willkommen im Jahr 2010, das ist "Bionic".

Und wie immer fängt es auch diesmal nicht übel an, die erste Single "Not myself tonight" haut mit ordentlich Bass und Schmackes rein, bis die Tanzfläche überfüllt ist und selbst dem hartgesottensten Nicht-Tänzer ein paar Zuckungen durch den Körper jagen. So soll es ja auch sein! Auch das von M.I.A. produzierte "Elastic love" knallt, und der Peaches-Auftritt auf "My girls" (produziert von Le Tigre) gehört ohnehin so ziemlich zum Besten, was Aguilera jemals veröffentlicht hat. Dazwischen viele solide Füller, ein paar lyrische Fremdschäm-Attacken ("Sex for breakfast") und Gaga'eske Totalaussetzer ("Vanity"). Mit "Lift me up" findet sich dann noch die Standard-Hammer-Ballade des Albums, jetzt schon sicher die Herbst-Single, auf der die 29-Jährige eindrucksvoll beweist, wozu ihr Stimmorgan in der Lage ist. Warum nicht gleich so? Und vor allem: Warum nicht immer so? Und was macht Aguilera denn eigentlich, wenn ihren Kollegen irgendwann ebenfalls die Ideen ausgehen? Plattentests.de verbleibt also stillschweigend in der Hoffnung auf das nächste Album - und die echte Christina Aguilera.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Elastic love
  • Lift me up
  • My girls

Tracklist

  1. Bionic
  2. Not myself tonight
  3. Woohoo (feat. Nicki Minaj)
  4. Elastic love
  5. Desnudate
  6. Love & glamour (Intro)
  7. Glam
  8. Prima Donna
  9. Morning dessert (Intro)
  10. Sex for breakfast
  11. Lift me up
  12. My heart (Intro)
  13. All I need
  14. I am
  15. You lost me
  16. Jungle juice
  17. My girls (feat. Peaches)
  18. Vanity

Gesamtspielzeit: 59:36 min.

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