Sandi Thom - Merchants and thieves

Sandi Thom- Merchants and thieves

Guardian Angels / Soulfood
VÖ: 21.05.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Eine neue Liebe

Wann kann man schon einmal auf auf den Schlagerbarden Jürgen Marcus verweisen, ohne sich dabei zum Gespött der Runde zu machen? Aber selten passte ein Hinweis auf Marcus besser als hier, zu Sandi Thoms drittem Album "Merchants and thieves". "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" sang der Deutsche zu Beginn der 1970er. Thom hat sich dies zu Herzen genommen und sich, nachdem sie von ihrem Verlobten quasi am Altar stehengelassen und vom Label gedroppt wurde, dem Neo-Blues-Meister Joe Bonamassa zugewandt. Dieser nahm Thom als Sängerin auf eine Tour mit, nachdem er vorübergehend seine Stimme verloren hatte. Zwischen den beiden funkte es sofort, und seitdem hat Thom auch den Blues, was ihr gar nicht so schlecht steht.

Mit dieser Neuausrichtung wendet sich Thom von den Charts ab und widmet sich einem ungleich älteren Publikum. Glaubt man "Merchants and thieves", dann findet sich dieses nun jenseits der 40. Mit Pop hat Thoms drittes Album nicht mehr allzu viel am Hut. Stattdessen siegt hier eine Art beseelter Soul, der modern und rootslastig zugleich daherkommt. "Belly of the blues", "Runaway train" und "Gold dust" sind veritable Rumpel-Blueser, die inbrünstiger und gleichzeitig gefühlvoller kaum sein könnten. "Let it stay" hingegen präsentiert sich als eine Art große, amerikanische Gospelballade, die sich bis zum Grande Finale weiter und weiter auftürmt. Manch ein Musiker würde töten für solch ein Lied. "Ghost town" wiederum ist ein sehr herzlicher, warmer Vocal-Track ohne weitere Instrumente, den Thom irgendwo in den Weiten des Mittleren Westens der USA ausgegraben haben muss. Das Stück könnte auch ein Traditional sein, so knarzig klingt es.

Sandi Thoms Neuorientierung ist im Vergleich mit den beiden Vorgängeralben gelungen. Sie hat den Blues - mal etwas poppig, mal soulig oder auch folky -, und der steht ihr. Auch wenn beileibe nicht alle Songs sitzen. Das sandige Instrumental "Merchants and thieves" steht etwas unbeholfen und überflüssig in der Gegend herum. Die Kollaboration mit Bonamassa "This ol' world" findet aus dem typischen Gitarrengewichse einfach keinen Ausweg und wirkt trotz seiner knappen drei Minuten viel zu lang, und der eine oder andere Song wie "The sadness" ist zu klischeehaft glibschig geworden. Trotzdem merkt man der Schottin jederzeit an, dass das hier genau das ist, was sie machen möchte. Dass ihr dieses Album auf dem und am Herzen lag. "Merchants and thieves" ist bis dato Thoms bestes Album, weil hier Seele und Liebe zu spüren sind.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Let it stay
  • Ghost town

Tracklist

  1. Maggie McCall
  2. Runaway train
  3. Gold dust
  4. Let it stay
  5. Merchants and thieves
  6. Show no concern
  7. This ol' world (feat. Joe Bonamassa)
  8. The Sadness
  9. Heart of stone
  10. Ghost town
  11. Belly of the blues
  12. This ol' world (feat. Joe Bonamassa) (Sunset Marquis version)

Gesamtspielzeit: 46:10 min.

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