Stornoway - Beachcomber's windowsill

Stornoway- Beachcomber's windowsill

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 28.05.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Trampen für Fortgeschrittene

Achtung, Dauerwerbesendung: Der Rezensent beschwört an dieser Stelle aufrichtig und ohne überkreuzte Finger auf dem Rücken, "Zorbing" fantastisch zu finden. Wenn nun in der gleichnamigen Sportart die Anmeldezahlen und Interessenten emporschnellen, verdient er keinen müden Cent. Es ergab sich bisweilen schlichtweg noch nicht die Möglichkeit, in einer durchsichtigen PVC-Kugel einen steilen Abhang hinunterzurollen, um Erfahrungsberichte anzuführen. Hingegen verursacht Stornoways "Zorbing" eine ähnlich amtliche Verwirrung im Kleinhirn, wie man sie höchstwahrscheinlich auch nach der Kugeltour verspürt. Denn: Wie schafft es ein solch geradliniger Song, nachhaltig für Begeisterung zu sorgen? Und was müssen Zorbing-Anbieter Stornoway auf den Tisch legen für eine quasi vertonte Werbekampagne?

Letzteres zu beziffern ist ein willkürliches Zahlenspiel. "Zorbing" hingegen ist alles, aber nicht willkürlich. Die gezupften Anfangstöne, die tiefchorale Untermalung, die einsetzenden Drums, die aufblinkende Trompete von Adam Briggs und die Zusammenführung aller Elemente auf der Schlussgeraden, nur noch ergänzt vom Schellenkranz, ehe "Zorbing" wieder mit einer leisen Akustikgitarre endet. Das ist der verwirklichte Plan für einen hervorragendes Folk-Pop-Konstrukt. Gesungen von Männern ohne ausufernde Bärte, von Männern ohne Wohnsitz in Seattle, von Männern, die auch A-Capella eine gute Figur abgäben.

Stornoway bleiben stets in Bewegung. Und kennen auch andere Mittel und Wege, um von A nach B zu kommen. In "I saw you blink" singt Sänger Brian Briggs von seiner gedankenverlorenem Fußweg durch die Straßen, um herauszufinden, ob sie DAS Mädchen ist. "Your hands on a window, your eyes are just closed / There's a voice in the front / And a hush on a road / You're a passenger that your mind is travelling on", führt "Fuel up" die Reise durch das Leben fort: "Fuel up and drive on." Auf der Route des Seevogels im großartigen "The coldharbour road", unterwegs mit "Boats and trains", Violinen am Straßenrand, gepflasterten Banjowegen, Rettungsanker, die nach Chamber-Pop greifen und ein Güterwagen namens "Watching birds", der gar Punkrhythmen geladen hat. Rast und Rastlosigkeit haben ein Platz zum Verweilen gefunden. Der Weg bleibt eben doch das Ziel.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Zorbing
  • Fuel up
  • The coldharbour road

Tracklist

  1. Zorbing
  2. I saw you blink
  3. Fuel up
  4. The coldharbour road
  5. Boats and trains
  6. We are the battery human
  7. Here comes the blackout...!
  8. Watching birds
  9. On the rocks
  10. The end of the movie
  11. Long-distance lullaby

Gesamtspielzeit: 43:28 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Armin
2011-08-01 19:56:47 Uhr
Heute erst entdeckt: die wunderschöne B-Seite "Gondwanaland", zu hören hier.

Ohnehin hat die Band eine bemerkenswerte Langzeitwirkung.
Kyuss
2011-05-06 18:37:11 Uhr
Klasse Scheibe, eben erst darauf gestoßen.
Tina
2011-01-12 16:41:57 Uhr
Eines der besten Lieder (schon beim ersten Konzert dabei aber leider nicht auf der ersten richtigen Platte) ist Gondwanaland, kann ich jedem der das Album mag empfehlen. Und live sind die Jungs einfach klasse.
Denniso
2010-10-18 09:07:30 Uhr
"Zorbing" sticht in der Tat heraus, ich mag "Watching birds" aber auch noch richtig gerne, selbst wenn das Lied nicht ganz in das Album passt. Ansonsten "nett", nicht mehr aber auch nicht wneiger. Die 7/10 passt schon.
apo ha
2010-05-19 18:52:06 Uhr
klingen teilweise sehr nach the decemberists, aber gut...
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