Robert Wyatt - His greatest misses

Robert Wyatt- His greatest misses

Domino / Rough Trade
VÖ: 11.06.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Interessanten

Als junger, aufbegehrender und äußerst an Musik interessierter Mensch steht man sicherlich irgendwann vor dem Versuch, sich mit den alten Helden seiner aktuellen Lieblinge auseinanderzusetzen. In etwa in der Art: Greil Marcus führt alles und jeden auf das Werk von Bob Dylan zurück, die Spex bringt schon wieder Referenzen zum SST-Label, die Visions feiert zum wiederholten Male Sub Pop ab, und Plattentests.de führt in den Referenzen Künstler und Bands auf, die erst einmal nachgehört werden müssen. Zum Glück ist aber nicht jedermann im Musikbusiness tätig und konnte sich so entsprechendes Spezialwissen zum Herunterbeten anschaffen. Die weniger Eingearbeiteten rollen die Musikhistorie wahrscheinlich eher mit Dylan, Bowie oder Springsteen. Deren Standardwerke sind unumgänglich und musikalisch sehr zugänglich. Doch wachsendes Musikinteresse sucht irgendwann zwangsläufig darüber hinaus. Und dort warten Legenden, an die man sich als Zuspätgeborener erst nicht so recht herantraut. Diese schweben auch im Rezensentenhimmel noch wie Halbgötter über einem. Wie Robert Wyatt.

Als Einstieg liegt fasst mit "His greatest misses" nun ein Best-of-Album Wyatts wichtigste oder zumindest zugänglichste Stücke zusammen. Das jazzige, avantgardistische Instrumentalalbum "The end of an ear" konnte man hier sogar außen vor lassen. Das Hörvergnügen dieser Übung in Free Jazz muss man zu einem anderen Zeitpunkt nachholen. Genauso wenig findet man hier Stücke vom letzten Album, dem großartigen "Comicopera", da es sich bei "His greatest misses" um nur um eine Europa-Erstveröffentlichung handelt, die zuvor schon in Japan 2004 erschien. Natürlich sollte der eher abschreckende Titel Neulinge nicht vom Zugreifen abhalten. Zumindest zwei Stücke könnten einigen bekannt vorgekommen: Die Coversion von Elvis Costellos "Shipbuilding" und die des Monkees-Klassikers "I'm a believer" sind wohlige Wonnen im Ohr. Üppiger ausgestaltet als die Originale fügen sich gut ein in diesen Kurzdurchlauf durch Wyatts Werk.

Über den Rest des Albums muss man kaum Worte finden. Der Frontmann von The Soft Machine und Matching Mole beglückt mit den bekanntesten Songs seiner Solokarriere. Darunter finden sich aus der Frühphase das fast mit klassischer Songstruktur ausgestattete "Sea song" sowie das knapp einminütige Piano-Interlude "Muddy mouse (b)". Aus dem 21. Jahrhundert, also der noch anhaltenden Jetzt-Phase von Wyatt, tauchen "Mister E" und die Hiroshima-Nagasaki-Repetitionen von "Foreign accents" auf, freilich nicht ohne die noch besseren und schnelleren Stücke vom 1997er "Shleep" mitzunehmen. "Alien" und insbesondere das von Brian Eno arrangierte, gitarrenlastige "Heaps of sheeps" stechen selbst hier heraus. Es bleibt verhältnismäßig wohlbekannt. Und wer hier Obskurantismus erwartet, ist sowieso falsch. "His greatest misses" ist eine überaus gelungene Erinnerung an glorreiche Momente Wyatts und eine Gelegenheit, sich sein Werk zu Gemüte zu führen. Dylan und Bowie kann man dann für ein paar Stunden vergessen.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Heaps of sheeps
  • Sea song
  • Shipbuilding
  • Muddy mouse (b)

Tracklist

  1. P.L.A.
  2. Worship
  3. Heaps of sheeps
  4. Free will and testament
  5. I'm a believer
  6. Sea song
  7. Little red Robin Hood hit the road
  8. Solar flares
  9. At last I am free
  10. Arauco
  11. The age of self
  12. Alien
  13. Shipbuilding
  14. Memories of you
  15. Muddy mouse (b)
  16. Mister E
  17. Foreign accents

Gesamtspielzeit: 73:24 min.

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