Von Spar - Foreigner

Von Spar- Foreigner

Italic / Rough Trade
VÖ: 28.05.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Komische Kuriere

"Von Spar: Thomas Mahmoud ausgestiegen!" Groß war das Geschrei seinerzeit im Internetforum einer deutschen Musikzeitschrift, wo ebendiese Personalie binnen kurzer Zeit zum Running Gag ausartete. Und streiten kann man bis heute darüber. Ein Segen, weil Mahmouds überdrehtes Kreischen auf "Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative" höchstens in Verbindung mit den Hits "Schockwellen auf's Parkett" und "Ist das noch populär?" zu genießen war und Sterne-Sänger Frank Spilker deeskalierend eingreifen musste? Oder doch eher ein Nachteil, weil den restlichen Mitgliedern auf dem Nachfolger außer zwei verquasten Psych-Zwanzigminütern nichts einfiel?

Die Entwicklung weg vom hippen Indie-Zappelding und hin zum unklassifizierbaren Muckerensemble entspricht Von Spars Verwirrung stiftender Grundeinstellung durchaus. Jan Philipp Janzen exerziert Ähnliches ja bereits seit vier Alben mit Urlaub In Polen durch und kommt dort meist zu schlüssigen Ergebnissen. Doch wenn er zusammen mit Sebastian Blume, Christian Marquez und Phillip Tielsch ein Studio betritt, lösen sich musikalische Grenzen auf und verschwimmen Stilelemente zur einer wabernden Ursuppe aus Einst und Jetzt, Experiment und Pop, Kraut und Rüben. Immerhin: Statt bloß zwei haben die Kölner diesmal mit acht Songs deutlich mehr zustande bekommen, an dem man sich festhalten kann.

Natürlich hatte "Von Spar" bei aller Dürftigkeit vor allem den Charakter einer Standortbestimmung und bewegte sich zwangsläufig weg von der Emphase, die zuvor der krakeelende Frontmann besorgt hatte. Auf "Foreigner" lichten sich die Schwaden nun allmählich, so dass man besser erkennt, wo hier die Löcher gegraben werden. Viele Stücke spielen Kometenmelodien, die man noch von Gründervätern deutscher Elektronik wie Cluster oder Harmonia kennt, und auch wenn diese nicht das Hauptelement der zumeist instrumental schiebenden und pumpenden Tracks sind, scheint die Band oft wild entschlossen, mit länglichen, losen Improvisationen über die Runden zu kommen. Was beileibe nicht immer gelingt.

Der Einstieg "Scotch & Chablis" stimmt mit verhallter Lounge-Elektronik zwar hoffnungsfroh, schon die Dub-Schleife "You can shake down on my settee tonight" und das von synthetischen Bläser-Stichflammen zerrissene "I can't stand the grain" landen aber unmotiviert im Herzen des Nichts. Doch es geht auch anders: "trOOps" ist ein schwer schmatzender Groover, der mit hyperaktivem Geklapper und spitzen Licks keinen Prince-Language-Remix gebraucht hätte, um bei DFA Records verortet zu werden, "Lambda" dengelt nach Stotterstart gar charmant und detailfreudig in die poppige Kraftwerk-Phase. Dass die Vocals auf beiden Stücken jeweils Gastsängern überlassen werden, ist bezeichnend für "Foreigner". Von Spar bleiben zwar interessant, aber auch eigensinnig, unbequem und unterm Strich eine reichlich komische Band. Was in ihrem Sinne sein dürfte. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • trOOps
  • Lambda

Tracklist

  1. Scotch & Chablis
  2. You can shake down on my settee tonight
  3. trOOps
  4. I can't stand the grain
  5. Collecting natural antimatter
  6. HyBoLT
  7. Lambda
  8. Daddy Longlegs

Gesamtspielzeit: 45:16 min.

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