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Britney Spears - Britney

Britney Spears- Britney

Jive / Zomba
VÖ: 05.11.2001

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Alles im Eimer

Wenn ein neues Album von Britney Spears ansteht, herrscht Alarmstufe Rot in und um den sonst so friedlichen und gesitteten Plattenläden dieser Erde. Zahllose eingefleischte Fans lassen die Schule Schule sein, campieren vor den Türen, drücken sich in nervöser Erwartung an den Scheiben Nasen platt und Pickel aus, bis endlich um Punkt halb zehn der nicht nur schlaftrunkene Plattendealer seine Pforten öffnet, um seiner blutjungen Kundschaft den so dringend benötigten Stoff feilzubieten.

Ist es dann endlich so weit, gibt es kein Halten mehr, werden die Regale gestürmt und geraten Ständer jedweder Art in Vergessenheit - nur noch das Cover der bereiteten Tonträger ist es, das zählt und sich in unzähligen Kassenbrillen, Zahnspangen und der akneglänzenden Haut widerspiegelt. Zum dritten Mal ist mit der Fanmeute der Ausnahmezustand eingekehrt, weil ein kleines blondes Etwas namens Britney Spears feuchte Träume in Form von zwölf schmierigen, leicht zerplatzbaren Seifenblasen auf CD pressen ließ. Die Queen of Plopp ist zurück. Und wie! Oops... she did it again.

Eine neue Nase, nach dem neuen Busen vielleicht auch neue Wangenknochen - glaubt man dem ersten optischen Eindruck, wurden im Vorfeld keine Kosten, Mühen und Rohstoffe gescheut, um das Kunstprodukt Britney in neuer Perfektion erstrahlen zu lassen. Nur auf die schüchterne Frage hin, ob denn auch neue Stimmbänder im Bereich des Möglichen liegen, mußte der Chirurg Britneys Vertrauens nach kurzem Blick in die Tiefkühltruhe wohl ernüchternd mit dem Kopf schütteln. So sah sich das blonde Ersatzteillager auch auf ihrem dritten Album mit der unliebsamen Aufgabe konfrontiert, ihre Liedchen mit ihren eigenen, von Gott gegebenen Stimmbändern zum Besten zu geben. Aber es gibt schließlich wichtigeres. Viel wichtigeres. Und nachdem die maximale Stoffmenge auf Britneys Haut vertraglich festgeschrieben scheint, hat sich die Guteste bei etlichen Foto- und Liveauftritten eilig noch eine - wie mutig! - lebendige Schlange um den Hals gehängt, um das nötigste ihrer alles andere als spärlich gesäten Reize zu bedecken. "Ich Jane, wo Tarzan?"

Damit auf "Britney" der Sound genauso prall klingt wie das Blondchen aussieht, wurde natürlich auch bei den Aufnahmen zu ihrem Drittwerk nichts dem Zufall überlassen. Fast ein Dutzend verschiedener Produzenten fuhr hinter der Studio-Glasscheibe seine Ellbogen aus, um den bestmöglichen Blick auf Britneys ... äh... Stimme zu haben. Daß dem kleinen "Rockbalg" (Rolling Stone) für seine haarsträubende Neuauflage von Joan Jetts "I love rock'n'roll" die Rassel weggenommen und über die Rübe gezogen gehört, steht außer Frage. Doch Britney hat nicht nur den feinpürierten Rock mit Löffeln gefressen, sondern auch all den anderen Fraß, den man ihr als "erwachsen" auf den Teller gelegt hat. Zwischen zwei labberigen Brötchen-Hälften quetschen sich ein zäher R&B-Bratling ("Lonely", "Boys", "I'm a slave 4U"), eine Spur übelriechender Latin-Zwiebeln ("Let me be"), welkes Soul-Grünzeugs ("When I found you") und etliche Radiopop-Gürkchen der teilweise noch genießbaren Art ("Anticipating").

Obendrauf gibt es eine gehörige Menge triefender Balladen-Mayonaise ("I'm not a girl, not yet a woman", "What it's like to be me") - fertig ist der Doppel-Whopper (und damit sind keineswegs ihre Frontstoßdämpfer gemeint) à la Britney. Kalorienreich, fettig, vor künstlichen Farbstoffen nur so strotzend und garantiert geschmacklos bis ins letzte Salatblatt. So manche blonde Showbiz-Kollegin würde nach einer derart üppigen Mahlzeit Hals über Kopf auf die Toilette stürzen und mit dem Fingerchen im Hals der Verdauung einen kleinen Streich spielen. Ganz böse Zungen mögen gar behaupten, selbiges wäre auch Britney widerfahren, und ihre Produzenzten-Truppe könnte einfach den Eimer daruntergehalten haben, um uns das Ergebnis als ihr drittes Album zu verkaufen. Aber wer weiß das schon? Wohl bekomm's!

(Armin Linder)

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Highlights

  • Anticipating
  • When I found you

Tracklist

  1. I'm a slave 4U
  2. Overprotected
  3. Lonely
  4. I'm not a girl, not yet a woman
  5. Boys
  6. Anticipating
  7. I love rock'n'roll
  8. Cinderella
  9. Let me be
  10. Bombastic love
  11. That's where you take me
  12. When I found you
  13. What it's like to be me

Gesamtspielzeit: 43:19 min.

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