Kerretta - Vilayer

Kerretta- Vilayer

Golden Antenna / Broken Silence
VÖ: 11.06.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Restlos glücklich

Guten Morgen, Sonnenschein. Hallo, befreiendes Knacken im Rücken. Tagchen, Umzugsservice. Und ein frohlockendes "Ahoihoi" allen anderen Dingen, die das Leben im Kleinsten so viel lebenswerter machen. Kerrettas Debüt "Vilayer" etwa. Denn auch das ist so erfrischend einfach. So ohne Umschweife. Bereitet so wenig Kopfzerbrechen. Da wird keine eigene Scholle beackert, keine klangästhetische Nische gesucht, niemand gibt den Zeremonienmeister of Eigenständigkeit. Stattdessen präsentieren Kerretta ein unaufgeregtes, zupackendes Kleinod des Instrumentalrock, mehr nicht. Der Grund hierfür ist - wen wundert's - denkbar einfach: Sie haben all das nicht nötig. Denn ihre Version von Postrock ist zugleich derart bekannt und versiert umgesetzt, dass auch dafür gar keine Lücken bleiben.

Da spielen die Gitarren mit viel Hall und Delay im Dunstkreis von Maserati und zuckeln entsprechend auch mal auf den typischen Spacetrip-Schleifen davon, vergessen aber auch die Tapping-Figuren von Don Caballero nicht. Da sechzehntelt es beständig zwischen Laut und Leise, allerdings in einem Fluss, der wiederum auf die eher krautigen Einflüsse verweist. In eben jener Strömung wird dann der Hahn ganz im Sinne der Sludge-Metaller Isis teils kratertief aufgerissen - und erreichen die Stücke zudem noch eine teufelsdubbige Tiefe wie sonst vielleicht nur die Chicagoer Del Rey. Nun gut: Der Zusammenhalt, den die drei Neuseeländer aus diesen verschiedenen Ansätzen schmieden, trifft natürlich auf ohnehin bereits fruchtbaren Boden: Jede dieser Bands könnte - trotz der jeweiligen Alleinstellungsmerkmale - für die andere den Support-Act geben. Und Kerretta gleich für alle zusammen.

Die Produktion ist dabei kräftig genug, um all die Tiefen zu tragen, aber keineswegs kaputtkomprimiert bis zum Gehtnichtmehr. Der Sound ist rough an den richtigen Stellen, feingliedrig an den weiteren, richtigen. Die Bässe kratzen und rollen, die Kraftrockakkorde durchziehen eine zornige Schwammigkeit, die eher an Stoner als an echten Metal denken lässt. Die Melodien hingegen gehen auch diese Assoziation nicht zu hundert Prozent mit. Kerrettas Diffusität zwischen Melancholie und Schärfe zeigt sich eher seelenwund wie die leidvollen Klangwelten der Noiserock-Institution Ulme. Allerdings, versteht sich, ohne einen Phoenix mit Wadenkrampf wie Arne Heesch oder überhaupt irgendjemanden am Mikrofon. Denn diese Musik braucht keinen weiteren Kommentar. Sie gibt sich selbst den Rest. Und allen anderen den brennenden Konfettiregen, der hiervon noch übrigbleibt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Maven fade
  • The square outside
  • Bone amber rains

Tracklist

  1. Sleepers
  2. Maven fade
  3. The secret is momentum
  4. Dinshah
  5. The square outside
  6. Nest of spies
  7. White lie
  8. Bone amber rains

Gesamtspielzeit: 44:57 min.

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