Godsmack - The oracle

Godsmack- The oracle

Vertigo / Universal
VÖ: 07.05.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Murmeltier lässt grüßen

Letztlich erklärt sich alles aus der Bandgeschichte. Im Geiste befinden sich Sully Erna und Bandkollegen nämlich immer noch irgendwie im Gründungsjahr 1995, als sie sich aufmachten, um mit harter Musik und als Coverband von Alice In Chains die Welt zu erobern. Der Welt kann das jedoch herzlich egal sein, denn außerhalb des nordamerikanischen Kontinentes reicht es für Godsmack nach wie vor nur für einen kleinen Fisch. Auch wenn den Statistikern angesichts folgender Zahlen die Schweißperlen im Gesicht stehen dürften: Das fünfte Studioalbum "The oracle" ist für sie bereits die dritte Nummer 1 in Folge in den USA. Das macht bisher 20 Millionen verkaufte Alben und 18 Top-Ten-Rock-Radio-Hits - mehr als Linkin Park. Doch es hilft ja alles nichts.

Denn Bill Murray und der kleine Ort Punxsawtaney lassen grüßen. Godsmack begehen mit "The oracle" nun feierlich den fünften musikalischen Murmeltiertag. Beim Durchhören der zehn neuen Stücke ist man nämlich immer wieder erstaunt, wie viele Riffs, Gesangslinien und Drumparts einem unglaublich bekannt vorkommen. Moment: Die erste Single "Cryin' like a bitch!!" hat man doch schon einmal auf "IV" gehört. Und auf "Faceless, "Awake" und dem selbstbetitelten Debüt. Ein Gedankengang, der so mit eigentlich jedem Track funktioniert. Godsmack ist mittlerweile ein vollständig in sich geschlossenes, selbstreferentielles System und jeder Song auf "The oracle" ein direkter Nachfahre eines Stücks irgendeines anderen Albums der Band. Sucht Euch einfach eins aus, es wird schon stimmen. Dieses System speiste sich einstmals aus der erwähnten Verehrung für Alice in Chains und auch für James Hetfield und Lars Ulrich, wie "Good day to die" belegt. Inzwischen aber dreht sich die Band ausschließlich um sich selbst. Das Ergebnis ist das ewig gleiche Liedgut: harter, melodiöser Chart-Metal mit ganz, ganz bösen Lyrics. Ein Teufelskreis.

Schlecht ist "The oracle" dadurch per se noch nicht. Zumindest unglaublich gut produziert, denn der satte Sound walzt einfach alles nieder, was sich ihm in den Weg stellen möchte. Die dicke Produktion erzeugt eine explosive Dynamik, von der andere Bands nur träumen können. Hier hat Dave Fortman, ehemaliges Mitglied von Ugly Kid Joe, an den Reglern erstklassige Arbeit geleistet. Aber das musste er auch, damit die vielen anderen Makel dieser überraschungsarmen Platte von der Soundschicht zumindest oberflächlich überdeckt werden können. "The oracle" ist damit ein Produkt für Fans. Wer allerdings bisher mit Godsmack nichts anfangen konnte, der wird auch hier keine Freude haben. Das Warten auf den nächsten Murmeltiertag hat soeben begonnen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • What if?

Tracklist

  1. Cryin' like a bitch!!
  2. Saints and sinners
  3. War and peace
  4. Love-hate-sex-pain
  5. What if?
  6. Devils swing
  7. Good day to die
  8. Forever shamed
  9. Shadow of a soul
  10. The oracle

Gesamtspielzeit: 44:24 min.

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