Deru - Say goodbye to useless

Deru- Say goodbye to useless

Mush / Cargo
VÖ: 30.04.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Frühjahrsputz

Dokusoaps sind ja der Hit im Prekariats-TV. Ordnungshüter aller Art sichern ab, räumen auf, rücken zurecht, bringen auf Linie. Auch immer die Kehrschaufel parat haben Ein-Mann-Entsorgungsunternehmen, die anrücken, wenn ein idealerweise drogenabhängiger, 500 Kilo schwerer Messi seine Wohnung zugemüllt hat. Ob Benjamin Wynn alias Deru deutsches Gossenfernsehen schaut, ist nicht bekannt. Zumindest aber dreht sich sein neues Album "Say goodbye to useless" ums Entrümpeln und feuchte Durchfeudeln. Freilich in dem etwas abstrakteren Sinne, im eigenen Leben aufzuräumen und unnützen Ballast abzuwerfen, um sich auf das konzentrieren zu können, was einem wirklich wichtig ist. Und "Say goodbye to useless" ist Wynn offenbar wichtig, denn er hat einige Zeit suchen müssen, um ein Label für das Album zu finden, das schon seit 2008 fertig in der Schublade lag. Weiß der Kuckuck, weshalb das so lange gedauert hat, aber an der Qualität kann es eigentlich nicht gelegen haben.

Schon die heruntergepitchten und wie in einer Kathedrale verhallten französischen Vocals von "I would like", untermalt von zartem Vinylknistern, ziehen einen magisch in ihren sakralen Bann. "I want" addiert eine zweite, comicartig hochgepitchte Stimme und einen HipHop-Beat. Wie der Soundtrack eines Agentenfilms, der vornehmlich in dunklen Metropolengassen spielt, klingen diese kinematographischen Soundscapes. Ein kiloschwerer Bass drückt auch "Peanut butter & patience" nach unten, begleitet von sich weiter und weiter verdichtenden Drums und einer dramatischen Melodie. Erst das beinahe fröhliche "Hello" bringt mit seinen wild durcheinanderplappernden Percussionelementen und einem warmen, in Sicherheit wiegenden Bass Erleichterung.

"Basically, fuck you" entdeckt klingelnd eine Art HipHop-Techfunk für sich, während "Fadeaway" lieber distinguiert auf Holzbläser und Akkordeon setzt und die zweite Albumhälfte mehr und mehr das Tempo herausnimmt, ambienter und noch cineastischer wird. Leider verflacht "Say goodbye to useless" hier auch ein wenig und lässt weitere zwingende Melodien vermissen. Mindestens bis zur nächsten Platte von Boards Of Canada aber ist Deru ein gern gesehener Gast im IDM-Regal. Und obendrein ein ziemlich aufgeräumter.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • I would like
  • I want
  • Peanut butter & patience
  • Hello

Tracklist

  1. I would like
  2. I want
  3. Peanut butter & patience
  4. Hello
  5. Basically, fuck you
  6. Walk
  7. Fadeaway
  8. Days, then...
  9. What happens when you ask
  10. Cottonmouth Lothario
  11. Goodbye

Gesamtspielzeit: 46:08 min.

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