Richard Hawley - Late night final

Richard Hawley- Late night final

Setanta / EFA
VÖ: 22.10.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Stimme der Nacht

In Deinem Zimmer brennen Kerzen, Du hast einen schweren Kopf vom vielen Wein und aus den Boxen schmachtet eine sonore, ein wenig heisere Stimme "Baby, you're my light". "Ach, schön!" seufzt Du. Diese Stimme gehört Richard Hawley. Als Gitarrist diente er schon für den halben Bestand an britischen Musikern wie Robbie Williams, Pulp oder die Longpigs. Gitarristen machen nun einmal bekanntlich gerne Soloalben. Es ist leicht zu erraten, was mit dieser Platte jetzt vor uns liegt.

Für "Late night final" hat sich Hawley eine Band zusammen gesucht. Er selbst spielt neben der Klampfe auch Klavier, aber im Wesentlichen bemüht er sich, dem Ganzen mit seiner Stimme eine Seele einzuhauchen. Um seinen salbungsvollen Gesang angemessen thronen zu lassen, beschränken sich seine Mitstreiter musikalisch aufs Geringste. Bestens zu spüren ist das in "Cry a tear for the man on the moon". In diesem Song ist zur musikalischen Untermalung nur der Anflug einiger verloren gegangener Gitarrenakkorde zu hören. Dazu schmettert Hawley fast so schön wie einst Elvis in "Are you lonesome tonight?", als wollte er dem einsamen Hörer sagen: "Auch du, mein Kind, bist nicht allein."

Wenn sich der Mann aus Sheffield nicht gerade in verrutschten Country-Experimenten wie in "No way home" ergeht, erinnert seine Musik mitunter tatsächlich an den Mann aus Graceland. Allerdings steht die Zeit, in der Hawley lebt, stets wachend im Türrahmen. Daß quiet the new loud sein soll, ist auch diesem Herrn nicht entgangen und so scheint er mit seiner Musik der hektischen Gegenwart ein wenig Ruhe bringen zu wollen. Vielleicht wirkt er deshalb stellenweise wie ein lieber Opa, der schützend den Arm um die rotznäsigen Enkelchen legt und für sie ein gar hoffnungsvolles Lied anstimmt.

Diese Platte glaubt an die Schönheit. Wie ein Wintertag, an dem die Morgensonne im Schnee glitzert. Oder ein prasselndes Feuer in einem englischen Kamin am Weihnachtsabend. Sie will Dir nicht weh tun und Dich an das Gute in der Welt glauben lassen. Ein bißchen Frieden für jeden. Nur gibt es für soviel Besinnlichkeit leider nicht allzu oft den passenden Moment. Denn nur dann könnte man wirklich an die Schönheit dieser Platte glauben.

(Laura Scheiter)

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Highlights

  • Baby, you\'re my light
  • Long black train

Tracklist

  1. Something is
  2. Baby, you're my light
  3. Love of my life
  4. The nights are cold
  5. Can you hear the rain, love?
  6. Lonely night
  7. Precious sight
  8. No way home
  9. Cry a tear for the man on the moon
  10. Long black train
  11. The light at the end of the tunnel (was a train coming the other way)

Gesamtspielzeit: 41:38 min.

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