Gary - One last hurrah for the lost beards of Pompeji

Gary- One last hurrah for the lost beards of Pompeji

Siluh / Loob / Al!ve
VÖ: 28.05.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Verträume Deine Jugend

Ja, hurra! Aus dem Nichts taucht da diese eine Band wieder auf, die man dereinst eigentlich nur aufgrund der Popularität des außergewöhnlich talentiert schauspielernden Sängers wahrgenommen hat. Acht Jahre nach dem Debüt platzieren sie dezent und leise ein wunderschönes wie wundersames Sommeralbum. Gary heißt die Band, Robert Stadlober der Sänger. 2002 war das, als "The lonely cnorve machine" unter der Ägide von Kurt Ebelhäuser veröffentlicht wurde. Unausgewogen war das Album, ein typisches Debüt, das zumeist eher an große Vorbilder als an große Visionen erinnerte. Für die Band folgte: Erwachsenwerden.

Und das ist ja auch genau das, was man von Robert Stadlober, dem Inbegriff des deutschsprachigen Adoleszenz-Gesichts, erwartet. Auch, wenn man es eigentlich gar nicht aussprechen sollte: Die Songs von "One last hurrah for the lost beards of Pompeji" könnten allesamt die Soundtracks von "Crazy", "Sommersturm" oder "Berlin am Meer" verschönern. Die Vorzeichen sind folgende: Stadlober schreibt in der Vorankündigung des Albums von Sommernächten auf Dächern, Erinnerungen an die große Liebe, der unvergänglichen Schönheit der Jugend. Die Musik dazu klingt wie bei den Lemonheads. Und im Geiste läuft der Film der eigenen Jugend.

Der erste Punkt geht an Gary, denn dieser Sehnsüchtelei kann man sich gar nicht erst entziehen. "Detroit destroyed the trunk dragon" ist so sehr Dinosaur Jr., wie es Sebadoh niemals war: das Herz so offen wie ein Scheunentor, die Melodie zum Tränenzüchten. Die Gitarre schrammelt wie ein Waschbrett, das Schlagzeug hangelt sich am Takt entlang, und sowieso ist der Sound der große Nebendarsteller dieser verschlurften, sympathischen Platte. Spätestens die Bläser in "Leave me", dem womöglich leichtesten Liebeslied seit "Into your arms", machen den Sack zu: Diese Platte wird einige Sonnenuntergänge mit gekühltem Bier und gegrillter Wurst retten.

Auch schön: das zarte "John Peel and the dragon of steel". Hätte dem Meister sicher gefallen. Ist zwar nicht The Undertones und schon gar nicht The Fall, aber herzzerreißend schön. Solche Lieder widmet man nur den Größten. Flau liegt einem der Abgang im Magen: Da baut sich die Wolkenwand am Horizont auf, die Luft ist drückend schwül, morgen ist der Sommerurlaub vorbei. Wehmütig denkt man an die schwerelosen Tage des Lebens und weint ein bisschen zu "My pace". Braucht man nicht einmal heimlich zu machen. Geht ja allen gleich. Gary helfen bei Verklärung, Tagträumen und hoffnungsloser Melancholie. Und plötzlich fühlt man sich so frei.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Detroit destroyed the trunk dragon
  • Leave me
  • John Peel and the dragon of steel

Tracklist

  1. Detroit destroyed the trunk dragon
  2. Ocean motion devotion
  3. Leave me
  4. John Peel and the dragon of steel
  5. Lead one dame
  6. Summer of the century
  7. Snowy chalet whiskey fair
  8. If God invented the imbus popimbus, then where does he live now?
  9. Dandelion
  10. Will you
  11. Tchip tchip tcherip
  12. My pace

Gesamtspielzeit: 39:33 min.

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