Ganglians - Monster head room

Ganglians- Monster head room

Souterrain Transmissions / Rough Trade / City Slang
VÖ: 28.05.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gangbang

Verpackung ist Trumpf. Zumindest für die meisten sogenannten Kreativen, die halbe Buchläden in Wackelpudding versenken und sich dann über den doofen Gesichtsausdruck des Beschenkten freuen, der das Begehrte nun aus der Pampe ziehen darf. Wenn es danach geht, wären die Ganglians mit ihrer letztjährigen EP wahre Meister der Verpackungskreativität. Unter den Schichten einer ranzigen Produktion suhlten sich poppige Melodien im psychedelischen Schlamm. Ein Glück, dass unter so viel Dreck einem das Wort "Hipster" nicht mehr an die Ohren dringen kann. Nun folgt mit "Monster head room" das Debüt, und die Verpackung ist diesmal weit weniger anstrengend ausgefallen. Produktionstechnisch mag es so manchem noch aufs Trommelfell drücken, aber von dem Sound der EP ist wenig übrig geblieben. Details schieben sich nun ab und zu in den Vordergrund, und so gibt es allerhand zu entdecken zwischen den einzelnen Abläufen.

Das mag im ersten Augenblick chaotisch scheinen, ist aber genau durchdacht. Denn die Harmonie zwischen Stimme und Saiten rumpelt sich fröhlich durch das Album, ohne jemals aufzustoßen. "Valient brave" poltert stoisch vor sich hin, ohne dabei jemals Bedenken an seiner Eingängigkeit zu hegen. Simpel kratzen die Gitarren am Beginn von "The void" an der Oberfläche, bevor sich der ganze Song auf links ziehen lässt. Ein kurzes Zwischenspiel aus Stimme und Echo legt sich rein, um dann doch wieder geerdet auf seiner Leere zu landen. In diesen Spielen zwischen angestrengter Ruhe und gelecktem Irrsinn sind die Ganglians kaum zu überbieten. Die Grenze zwischen Schunkelromantik und purer Schelmerei verläuft mit jeder Sekunde mehr. Es blubbert, es dröhnt, es zieht sich melodisch in die Länge, es harmoniert und spukt.

Die Ganglians setzen dem Pop das Gift in die Adern. "100 years" ist so staubtrocken, abgefuckt und verdrogt, dass es sich selbst fast zum Erlahmen bringt. Doch dann wieder ein Haken, und sofort fläzt sich Dynamik in die Soundwogen. Süßlichkeit zeigt schnell seine verzerrte Fratze, und auch sonst ist jede Sekunde fragil. Der Gesang entzieht sich wie flüchtige Füchse schon zu Beginn in "Something should be said" und hallt die meiste Zeit in seinen Bauten. Ausufernd funktioniert natürlich anders, und ein wenig steckt der Kopf von "Monster head room" in seiner eigenen Welt fest. Das kann als Intimität empfunden werden oder als hypnotische Enge. Aber geschenkt; sind doch die Tunnel und Wege da, um sich von den einzelnen Schichten tragen zu lassen und jede Idee mitzunehmen. Dann finden sich bei den Ganglians ein Haufen entspannter Momente, die sich nicht aufdrängen, sondern einfach nur in ihrem eigenen Empfinden bleiben wollen, um unaufdringlich ein paar Töne zu verteilen. Schenkarbeit eben.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Valient brave
  • The void
  • 100 years

Tracklist

  1. Something should be said
  2. Voodoo
  3. Lost words
  4. Candy girl
  5. Valient brave
  6. The void
  7. To june
  8. 100 years
  9. Cryin' smoke
  10. Modern african queen
  11. Try to understand
  12. Blood on the sand
  13. Make it up

Gesamtspielzeit: 57:08 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Schorsch
2009-07-10 19:05:49 Uhr
Jaja, kann mich meinen Vorrednern nur zustimmen, echt geile Scheibe. Und zu durchgeknallt fällt mir nur der Mittelteil von "The Void" ein...wicked...aber GEIL! Die ganzen guten Sachen kennt hier keine Sau, eine Schande!
tzz
2009-07-02 20:46:10 Uhr
mol mol wirklich gut, ein bisschen durchgeknallt aber gut:)
georg
2009-07-02 20:23:20 Uhr
Ganz fantastisches Psychedelic Pop Album. Absolutes Highlight: Lost Words
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