Faithless - The dance

Faithless- The dance

Nates Tunes / PIAS / Rough Trade
VÖ: 14.05.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bewegt sich doch

Alben von Dance-Acts werfen zuweilen Fragen auf. Funktioniert das, wozu man letzte Nacht noch wie wild unterm Stroboskop zuckte, auf längere Dauer auch in der heimischen Anlage? Und falls ja, ist die betreffende Band von musikalischem Missionarseifer beseelt und schmuggelt deswegen Balladen, Experimente oder gar Radiotaugliches zwischen die Hüftschwinger? Faithless zumindest ließen von jeher auch entspanntere Grooves und World Music in ihre Platten einfließen, verloren bei den an sich todsicheren Tanzkrachern aber auch oft das Maß. Angesichts von "Insomnia", "We come 1" oder "God is a DJ" in acht- bis zehnminütigen Versionen griff mancher lieber zu "Forever Faithless - The greatest hits" als zu einem regulären Longplayer.

Aber als die Briten das Ganze 2006 endlich auf Normalmaß zurechtstutzten, erwies sich "To all new arrivals" trotz Gästen wie Robert Smith, Cat Power und Dido als relativer Flop. Und statt sich endgültig zwischen alle Stühle zu setzen, besinnen sich Rollo Armstrong, Maxi Jazz und Sister Bliss für ihr sechstes Album auf das, was sie am besten beherrschen: längliche Dance-Tracks mit Crowdpleaser-Qualitäten, die sich aus Technotrance und Großraumdisco speisen und stets von reduziertem Beginn auf elektronische Euphorie hinarbeiten. Und so fällt auf der Platte mit dem programmatischen Titel wieder einiges an seinen ursprünglichen Platz.

Dort warten simple, aber raumgreifende Sequenzen, die sich allmählich prächtigen synthetischen Flächen öffnen, während Maxi Jazz mit sprödem Rap und belegter Stimme zwischen Clubnacht, Sozialkommentar und spiritueller Selbstbeschau oszilliert. Die eindeutigen Abschleppabsichten von "Not going home" gehören dabei ebenso dazu wie ein nachdenkliches "I see genius in everybody / To perceive it in yourself is the difficulty" im strahlkräftigen Tanzmonster "Tweak your nipple". Neil Arthur von den Achtziger-Synthpoppern Blancmange leiht der rotierenden Interpretation des eigenen Klassikers "Feel me" höchstpersönlich die Stimme, "Sun to me" nähert sich mit bösem Bassgrollen sogar einer Art Electronic Body Music an.

Weniger technoide Widerparts setzen die Ragga-Skizze "Crazy bal'heads", das sich behutsam über die Tanzfläche schlängelnde "Comin around" mit Dougy Mandagi von The Temper Trap als Vokalist und zwei obligatorische Dido-Tracks, von denen "Feelin good" sogar die Clubtür findet. Sicher kann man den einen oder anderen Song auch getrost vergessen - für "Love is my condition" mit der klassisch ausgebildeten Argentinierin Mía Maestro am Mikro gilt das genauso wie für Maxi Jazz' vergeblichen Abhebeversuch beim dümpelnden "Flyin hi". Und trotzdem ist sich das Publikum hinterher weitestgehend einig: "The dance" war ein voller Erfolg mit einigem Unterhaltungswert. Was morgen Nachmittag zu Hause gehört wird, entscheidet man dann am besten spontan.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Not going home
  • Feel me (feat. Blancmange)
  • Tweak your nipple
  • Sun to me

Tracklist

  1. Not going home
  2. Feel me (feat. Blancmange)
  3. Crazy bal'heads (feat. Jonny "Itch" Fox
  4. Comin around (feat. Dougy Mandagi)
  5. Tweak your nipple
  6. Flyin hi
  7. Love is my condition (feat. Mia Maestro)
  8. Feelin good (feat. Dido)
  9. North star (feat. Dido)
  10. Sun to me

Gesamtspielzeit: 65:36 min.

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