Erland And The Carnival - Erland And The Carnival

Erland And The Carnival- Erland And The Carnival

Full Time Hobby / PIAS / Rough Trade
VÖ: 26.03.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In Liebesgefahr

Zwei Drittel von Erland & The Carnival verstecken sich auch außerhalb der fünften Jahreszeit hinter Schafbockmasken. Was sie eigentlich gar nicht nötig haben: Simon Tong spielte bereits bei The Verve, Blur und ist neuerdings bei The Good, The Bad And The Queen, und Drummer David Nock rumpelte zusammen mit The Fireman alias Paul McCartney das Album "Electric arguments" ein. Und als beide entdeckten, dass sie mit dem Sänger und Gitarristen Erland Cooper eine Vorliebe für Sixties-Psychedelia und schottischen Folk teilen, ging es schwer bepackt in Damon Albarns Studio. Mitkommen mussten nicht nur Instrumentenköfferchen, Harmonium und Zither, sondern auch ein Haufen Traditionals und stibitzte Textfetzen aus Lyrik, Popmusik und Politik.

Und außerdem jede Menge Melancholie, Liebeskrankheit und bluesige Verzweiflung. Zum Beispiel solche, die "My name is Carnival" innewohnt, einem Lied, das der US-Folkmusiker Jackson C. Frank einst sang und das die Band als Namensgeber wählte. Natürlich ließen sie es sich auch nicht nehmen, eine Coverversion einzuspielen - mit einer Hingabe, die den Song zu einem Höhepunkt von "Erland And The Carnival" macht. Weitere folgen auf dem Fuße. Dem Trio ist dabei herzlich egal, was es da gerade verwurstet. Ob Folk-Rock mit brillanten Satzgesängen und sich schwindelig fiedelnde Zirkusgaukler-Musik oder scheppernde Mod-Reminiszenzen und schnodderige Indie-Lad-Kumpelei.

Richtig liegen Erlend And The Carnival praktisch immer. Mit dem veitstanzenden Gegeige von "You don't have to be lonely" etwa. Oder dem schwerzüngigen Kneipen-Traditional "Was you ever see", dessen trunkene Lyrics von einer flink gespielten Orgel zusammengehalten werden. Die Single "Trouble in mind" bringt dann den kickenden Beat von New Orders "Crystal" mit hymnischem Singalong zusammen und könnte fast als Gute-Laune-Hit durchgehen - müsste Cooper nur nicht pausenlos erklären, warum es mit der letzten Frau wieder nicht geklappt hat: "I didn't mean to disappoint you / I'm just sorry that I had to."

Davon, dass man von der Liebe sowieso besser die Finger lassen sollte, künden viele Songs auf "Erlend And The Carnival". Etwa der Opener "Love is a killing thing", erneut eine Volksweise, die es in fünf Minuten von Fleet Foxes zu missmutig angezerrtem Indie-Rock bringt. "The sweeter the girl (the harder I fall)" beweint zu The-Who-Geschrammel und Bababa-Chören die jüngste Verflossene, während die Leonard-Cohen-Adaption "Disturbed this morning" eine Menge über schmutzige Laken und verstohlene One Night Stands zu berichten weiß.

Auch "The Derby ram", Wappentier der mittelenglischen Grafschaft, hat Furchtbares zu erzählen, seit ein sensationslüsterner Mob einen lebensmüden Teenager zum Selbstmord johlte und diesen obendrein auf ihren Handykameras festhielt - und auch dieses Stück wird mit einem Kommentar zum tragischen Ereignis aktualisiert. Womit die Band in der Gegenwart angekommen wäre. Mitsamt einem durchgängig fantastischen Album, dessen musikalische und inhaltliche Tiefenschärfe die Grenzen zwischen Tradition und Moderne bedeutungslos werden lässt. Hier zählen Songs, stilistische Versiertheit und gespendeter Trost. Mit "Erlend And The Carnival" ist man nie allein - auch wenn die Liebe einem mal wieder ein Schnippchen geschlagen hat.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Love is a killing thing
  • My name is Carnival
  • You don't have to be lonely
  • The Derby ram
  • Was you ever see

Tracklist

  1. Love is a killing thing
  2. My name is Carnival
  3. You don't have to be lonely
  4. Trouble in mind
  5. Tramps and hawkers
  6. The Derby ram
  7. Disturbed this morning
  8. Was you ever see
  9. The sweeter the girl (the harder I fall)
  10. Everything came too easy
  11. One morning fair
  12. Gentle Gwen
  13. The echoing green

Gesamtspielzeit: 46:16 min.

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