Disco Ensemble - The island of Disco Ensemble

Disco Ensemble- The island of Disco Ensemble

Fullsteam / PIAS / Rough Trade
VÖ: 28.05.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wahnwitzig witzig

Tja, was Disco Ensemble mit den allseits eher unbeliebten Formaten New Rock, Nu-Post-Emo und Postcore anstellen, das hat nach wie vor was. Nun gut - bei ersterem dürfte Kurt Cobain von den vielen 360-Grad-Spins in seinem Sarg längst ordentlich kodderig geworden sein; zweiteres wartet noch auf seine offizielle Genre-Inthronierung; und im dritten Fall ist die Spannbreite von Fugazi bis Senses Fail ohnehin jeden Augenbrauenlupfer und jedes ungläubige Kopfschütteln wert. Disco Ensemble setzen sich nach wie vor kackedreist dazwischen und mit den vier Buchstaben auf all die berechtigten Zweifel. Denn bei ihnen wühlen und rütteln diese Formate, statt - wie gewohnt - mit jeder Note die Geschichte ihrer eigenen Narkolepsie zu verschlafen.

Was sich diese Band bewahrt, ist eine milde Portion Irrsinn, die sie als Brandbeschleuniger einsetzt. So erreicht auch "The island of Disco Ensemble" mit einem Song wie "So cold" sicherlich nicht die hektische Größe einer Institution wie Horse The Band. Dafür sind die Refrains zu zackig, die Nintendos zu harmonieverliebt und überhaupt das gesamte Grundgerüst zu sehr in all die ollen Kamellen verstrickt. Trotzdem skandiert Sänger Miikka Koivisto zwischen ein durchknallendes Harold-Faltermeyer-Keyboard, einen beinahe bis zur Unkenntlichkeit kratzkompressierten Gitarrenlauf und einen polternden Disco-Funk-Beat Zeilen wie "I write it on my T-Shirt / With white, red and gold / To share the world / I'm so cold." Und eröffnet die Serenade mit einem beherzten "Don't cry for me Argentina!"

Das ist genau die Dosis Distanz, Wahnwitz und Unrast, die auch immer wieder durch die Musik von Disco Ensemble huscht. In der Folge stoßen dem Hörer sogar Nu-Post-Emo(hah!)-Balladen wie "Get some sleep" oder "Protector" nicht mehr unangenehm auf. Das Schlagzeug etwa lässt sich selbst hier kaum an die Kandare nehmen. Hat man bei den Genrepäpsten oftmals das Gefühl, ein Snare-, ein Becken- und ein Tom-Schlag im Studio reichen für die nächsten fünf Alben allemal hin, den Rest erledigen schon Copy&Paste und Pro Tools, so geben sich Disco Ensemble nie wirklich zufrieden - und schubsen auf diese Weise eine ungeheure Dynamik durch ihre Songs.

Auch die Zitationsweisen konzentrieren ihren Spielwitz eindeutig auf den ersten Wortteil. Ist gleich das Eröffnungsriff in all seiner Kurzhosigkeit darauf ausgelegt, ein beherztes "THUN-DER!" durch den Song zu hüpfen, so drehen Disco Ensemble bald darauf die Verhältnisse um. Schlagzeug und Bass übernehmen die Tappings, Gitarren und Gesang konzentrieren sich auf Hymnik und Aggressorpotential. Schwupps, wird die Schuluniform zur abgeschnittenen Tarn-Hose. Später stößt der Hörer noch auf echten Van Halen, i(r)risierende Italo-Synths, Fantastilliarden an "Whohohos" und überhaupt alles zwischen Punk und Pink. Man mag beinahe denken, Disco Ensemble seien zu schnell für den Genre-Kollaps. Das stimmt zwar nur bedingt, aber ordentlich wachgerüttelt haben sie schon mal was.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • White flag for peace
  • So cold
  • Semi eternal flame / Undo
  • Samantha

Tracklist

  1. Bay of Biscay
  2. Pitch black cloud
  3. White flag for peace
  4. Protector
  5. So cold
  6. Get some sleep
  7. Life of crime
  8. Semi eternal flame / Undo
  9. Lefty
  10. Samantha

Gesamtspielzeit: 42:59 min.

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