The Cure - Greatest hits

The Cure- Greatest hits

Fiction / Polydor / Universal
VÖ: 12.11.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Just like heaven

Über The Cure viele Worte zu verlieren, bedeutet eigentlich, die berühmten Eulen nach Athen zu tragen. Schließlich steht die Band für weit mehr als nur Robert Smiths bemitleidenswerte Frisur, die sich in der Vergangenheit für unzählige nichtsahnende Insekten als heimtückische Todesfalle entpuppt hat. Für mehr als nicht enden wollende Tränen-Epen mit Keyboard-Flächen, die wie nicht von dieser Welt scheinen. Und für mehr als zynische Gutelaune-Reißer, die dem Schicksal grinsend ein Schnippchen schlagen. All das war der Musikwelt auch schon vor weit dem Jahre 2001 bekannt. Und alle, die bisher die Augen vor dem glorreichen Gesamtwerk von The Cure verschlossen hatten, hatten anhand der beiden Single-Collections "Staring at the sea" (1979-1986) und "Galore" (1987-1997) ausreichend Gelegenheit, ihre Lektionen nachzuholen.

Insofern bleibt es ein Geheimnis der Plattenfirma und deren Marketingmechanismen, weshalb jetzt eine weitere Best Of-Zusammenstellung der Briten erscheint. Denn auch "Greatest hits" legt den Spotlight auf die Single-Veröffentlichungen und somit die fröhlich-überdrehte Facette der Band, während die tieftraurige Seite von The Cure und insbesondere das furiose, aber single-lose letzteAlbum"Bloodflowers" im Dunkeln bleiben. So kann wohl nicht mal das 25-jährige Bandbestehen als Alibi für die Veröffentlichung für "Greatest hits" herhalten, die anstatt dem weihnachtlichen Duft von Zimtsternen und Spekulatius vor allem den faden Beigeschmack großer Scheinchen hinterläßt.

Doch Marketing hin oder her - die Musik wird dadurch nicht schlechter. Und wie so oft bei Greatest Hits-Veröffentlichungen haben sich Plattenfirma und Band erfreulicherweise etwas einfallen lassen, um nicht nur Cure-Neulinge, sondern auch treue Anhänger und Sammler zum Kauf von "Greatest hits" zu bewegen. Zum einen wurden die sechzehn etwas merkwürdig ausgewählten Singles - auf Klassiker wie "Killing an Arab" und "A letter to Elise" hat man zugunsten von Langweilern wie "Wrong number" verzichtet - mit zwei neuen Songs namens "Cut here" und "Just say yes" angereichert. Während sich "Cut here" mit einer prägnanten, verspielten Keyboardlinie und positiven Vibes in bester Tradition des "Wild mood swings"-Albums (1996) auf Anhieb ins Gedächtnis schneidet, entpuppt sich "Just say yes" trotz der Mithilfe von Republica-Luder Saffron als unerwartet stumpf. Dreieinhalb Minuten lang folgt man den Ausführungen der beiden und wartet, wartet und wartet. Auf den Ausbruch, den genialen Einfall, der stets unmittelbar bevorzustehen scheint - bis irgendwann der Song zu Ende ist.

Einen weitaus größeren Gebrauchswert legt für Fans der zweite Silberling an den Tag, der mit einem - daß man das noch erleben darf! - von Best Ofs gänzlich neuem Konzept aufwartet. Analog zur Tracklist des ersten Silberlings wurden alle 18 Songs in Akustik-Versionen neu eingespielt, die zwar nicht durchweg an die Intensität des legendären "MTV Unplugged"-Auftritts anknüpfen, aber in ihrer luftigen Verspieltheit durchaus zu entzücken wissen. Verwelkte Klassiker wie "A forest" blühen in neuer Pracht auf, während so manches ewiges Mauerblümchen wie "Mint car" sein Köpfchen plötzlich in unerwartetem Glanz gen Sonne reckt und auch der neue Track "Just say yes" alternativen Version plötzlich unerwartet Farbe zeigt.

Nachdem Robert Smith noch zur Veröffentlichungvon"Bloodflowers" zum etwa hundertsten Mal die endgültige Auflösung der Band verkündigt hatte, haben Gerüchte- und Soundküche offenbar längst wieder zum Brodeln angefangen. So müßte es schon mit dem Teufel zugehen, wenn Smith seine Drohung nicht einmal mehr über den Haufen werfen und uns in Bälde nicht wieder ein neues Studioalbum der irren Briten ins Haus stehen würde. Zu hoffen wäre es allemal, daß diese schillernde, liebenswert durchgeknallte und seit 25 Jahren sämtliche Extreme auslotende Band der Musikwelt noch längere Zeit erhalten bliebe. "It's never enough."

(Armin Linder)

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Highlights

  • Boys don't cry
  • Lovesong
  • A forest (acoustic)
  • Just like heaven (acoustic)

Tracklist

  • CD 1
    1. Boys don't cry
    2. A forest
    3. Let's go to bed
    4. The walk
    5. The lovecats
    6. Inbetween days
    7. Close to me
    8. Why can't I be you?
    9. Just like heaven
    10. Lullaby
    11. Lovesong
    12. Never enough
    13. High
    14. Friday I'm in love
    15. Mint car
    16. Wrong number
    17. Cut here
    18. Just say yes
  • CD 2
    1. Boys don't cry (acoustic)
    2. A forest (acoustic)
    3. Let's go to bed (acoustic)
    4. The walk (acoustic)
    5. The lovecats (acoustic)
    6. Inbetween days (acoustic)
    7. Close to me (acoustic)
    8. Why can't I be you? (acoustic)
    9. Just like heaven (acoustic)
    10. Lullaby (acoustic)
    11. Lovesong (acoustic)
    12. Never enough (acoustic)
    13. High (acoustic)
    14. Friday I'm in love (acoustic)
    15. Mint car (acoustic)
    16. Wrong number (acoustic)
    17. Cut here (acoustic)
    18. Just say yes (acoustic)

Gesamtspielzeit: 137:19 min.

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