Lena - My cassette player

Lena- My cassette player

USFO / Universal
VÖ: 07.05.2010

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Bandsalat

Es gibt Dinge, die Lena Meyer-Landrut nicht unbedingt gebraucht hätte. Ein kurzes Stimmversagen bei einem Auftritt zur besten Fernsehzeit am Samstagabend. Den Inhalt eines Fernseharchivs, in dem eine kurze Nacktaufnahme der Hannoveranerin ruhte, entstanden anlässlich einer längst entsorgten Dokusoap. Denn so etwas reicht vielen bereits. Die Boulevardpresse höhnt, die Privatsender-Konkurrenz buht, Internetforen platzen vor Geschmacklosigkeiten. Man hatte Lena nicht einmal Zeit gelassen, sich in Oslo gehörig zu blamieren. Wenig überraschende Erkenntnis: Die Medienlandschaft ist größtenteils ein hässlicher Scheißhaufen. "Germany's Next Topmodel" ist dagegen körperliches Ertüchtigungsprogramm mit ein bisschen was fürs Auge, "Deutschland sucht den Superstar" ein Konservatorium, in dem viel geheult wird, und der Grand Prix D'Eurovision ein Kunstgenuss, der aus Gründen der Exklusivität lediglich einmal im Jahr spendiert wird. Aber da muss man durch, ob man will oder nicht.

Lena wollte. Doch gleich ein ganzes Album nachschieben, das eilends unter Stefan Raabs Regie aus dem Boden gestampft wurde? Das mögen die Mechanismen des Business verlangen, ein musikalisch gewagtes Unterfangen ist es trotzdem. Es würde nicht einmal überraschen, wenn die Credits statt eines Produktions- ein Mindesthaltbarkeitsdatum ("best before") enthielten. Und am besten oder vielmehr gut ist "My cassette player" tatsächlich vor allen Songs, die dem knuffigen Endausscheidungs-Siegertitel "Satellite" nachfolgen. Also etwa drei Minuten lang. Der Rest ist gelinde gesagt durch die Bank eine Frechheit. Erst recht, wenn man Lena für eine Art deutsche Kate Nash hält und ihren charmant kratzbürstigen Gesang und die ordentliche Songauswahl bei der Vorausscheidung als Indiz für Indie-Credibility sieht. Dem gegenüber steht hier eine gruselige Plastikmusik, die vorhandenes Stimmvolumen und Talent so vorsätzlich billig vergeudet und verhökert, dass man sich für sie einen dritten Platz von hinten wünscht. Auf dass das restliche Europa nie erfahren möge, womit die Deutschen ihre Charts von hinten aufzurollen gedenken.

Und damit wahrscheinlich sogar Recht behalten. Sterile Synthi-Pianotropfen und seit Jahren komisch riechende Preset-Sounds gemahnen an die Zeit, da das besungene Speichermedium noch ein bevorzugter Tonträger war, überstrapaziertes Beklauen wehrloser Radiohits mit Duffys "Warwick Avenue" und "Soulstorm" von Patrice als prominenteste Opfer ist Trumpf. Selbst Originale von Adele, Ellie Goulding oder Jason Mraz bekommt das Produzententeam an einem raabenschwarzen Tag klein, allenfalls einzelne Songs wie "Bee" oder das recht fidele "Love me" heimsen Trostpunkte ein. Lena selbst trifft an alledem vorläufig nur eine Mitschuld - wozu sie gesanglich in der Lage ist, blitzt auf "My cassette player" immer wieder auf, wird aber stets geschmacksunsicher niedergeschmalzt. Immerhin ist nach wie vor davon auszugehen, dass die Guteste etwas von Musik versteht - und sich hoffentlich beizeiten Partner an Land zieht, die das ebenso tun. Viel schiefer gewickelt als auf dieser Extraportion Bandsalat kann sie jedenfalls kaum sein.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Satellite

Tracklist

  1. Satellite
  2. My cassette player
  3. Not following
  4. I like to bang my head
  5. My same
  6. Caterpillar in the rain
  7. Love me
  8. Touch a new day
  9. Bee
  10. You can't stop me
  11. Mr. Curiosity
  12. I just want your kiss
  13. Wonderful dreaming

Gesamtspielzeit: 42:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Mainstrizzi
2013-09-19 10:21:17 Uhr
Dunkelheit wächst in der Höhle meines Daseins, wenn ich mal einen Tag nicht Musik von ihr höre. Sie ist als Person so wunderbar, das wiegt ihre absolute Talentfreiheit mehr als auf. Tolles Mädel!
Mainstrip
2013-09-18 22:22:54 Uhr
So ein Flittchen!
the goat having fantasies
2013-09-17 17:08:10 Uhr
LENA im BLACK METAL outfit, woah!
Andere Meinung
2013-09-17 17:04:14 Uhr
Lena als Künstlerin zu überhöhen ist eine solide These und auch angebracht mit Blick auf alle, die Musik nicht abgewählt haben. Sie ist allein mit ihrer Musik zur Primetime im Fernsehen bekannt geworden.
Philo
2013-09-17 16:24:14 Uhr
Lena als Künstlerin zu überhöhen, wäre eine kühne These und auch unangebracht mit Blick auf alle, die Musik nicht abgewählt hatten, ein Instrument spielen, komponieren und Noten lesen können, sich in Interviews vernünftig ausdrücken können, einen Beruf gelernt haben und es geschafft haben, allein mit ihrer Musik statt bloß durch ein Casting zur Primetime im Fernsehen bekannt zu werden.
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