K's Choice - Echo mountain

K's Choice- Echo mountain

Epic / Sony
VÖ: 14.05.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Pärchenabend

Manchmal sind Geschwister wie Ehepaare. Sie lieben sich, sie funktionieren wunderbar zusammen, aber gelegentlich brauchen sie auch eine Pause vom Miteinander. K's Choice verabschiedeten sich 2000 mit "Almost happy" in weniger eindrucksvolle Solokarrieren. Ob es die genetisch bedingte Zuneigung oder doch der Kontostand war, der Sarah und Gerd Bettens wieder zum gemeinsamen Songschreiben veranlasste, muss nicht diskutiert werden. Warum es ausgerechnet ein Doppelalbum sein musste, mit dem sich K's Choice nun zurückmelden, bleibt zunächst ein Rätsel. Beide Seiten von "Echo mountain" sind zusammen nicht einmal anderthalb Minuten länger als der Vorgänger und kommen wie dieser auf insgesamt 14 Songs.

Vor den Vorwurf, die Belgiern täuschten die eigene Kreativität nur vor, stellt sich aber natürlich der musikalische Erstkontakt. "Echo mountain" startet gleich mit sanftem Picking und vertrautem Stimmen-Zweiklang: "If your eyes are the gateway to your soul / What's broken will be whole again." Die Single "Come live the life" ist gezähmter Rock auf Folkbasis, und zehn Jahre sind vorüber wie im Fluge. Das ist Wiederhörensfreude, denn fast alles ist wieder so wie damals. Hübsche Zaghaftigkeit mit gelegentlichem Powerchord. Wenn "Let it grow" von dezenter Veränderung träumt, ist das kaum mehr als ein Lippenbekenntnis. K's Choice wollten nie die Revolte, sie spenden Trost. Einmal seufzen und gut ist.

Gebremste Gitarren und anschmiegsame Gesänge bestimmen die ersten sieben Liedchen. In den Neunzigern ging das mal als Alternative Rock durch, und K's Choice hatten schon dabei stets eine Schwäche für Schmetterlinge. So lärmen sie sich durch beseelte Träumereien wie "Perfect" und klatschen beherzt für "When I lay beside you". Das melancholische Schunkeln entspricht jenem massenkompatiblen Semi-Rock, der zuletzt Amy MacDonald die Lizenz zum Gelddrucken verschaffte. Gefühle muss der Hörer selbst mitbringen, Refrains und große Gesten sind schon da.

Intensivere Emotionen verspricht der zweite Tonträger. Hier werden K's Choice noch zarter, weil sie die schon gedrosselte Lautstärke noch mehr zurückfahren. "Say a prayer" tapst vorsichtig voran, und "These are the thoughts" hat ein wohliges Klavier. Mit "16" flüchtet sich die Band in zerbrechliche Nostalgie, und plötzlich ist da doch wieder die vermisste Magie. Perlender Folk wischt sanft über pubertäre Unsicherheiten. Das folgende "Killing dragons" gräbt noch tiefer in der Seele. Unsichtbare Monster nagen am Verstand, und plötzlich wehren sich die Gitarren. Gänsehaut. Höher wächst "Echo mountain" nicht empor. Das mulmige "America" und das zaghafte "Along for the ride" bemühen sich erfolgreich um Versöhnung. Und dann verabschiedet sich "How simple can it be" mit schwellendem Chor und übersichtlichem Moll. Manchmal ist eben auch Schlichtheit eine Tugend.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Come live the life
  • 16
  • Killing dragons

Tracklist

  • CD 1
    1. Come live the life
    2. Let it grow
    3. Echo mountain
    4. When I lay besinde you
    5. Perfect
    6. I will carry you
    7. If this isn't right
  • CD 2
    1. Say a prayer
    2. These are the thoughts
    3. 16
    4. Killing dragons
    5. America
    6. Along for the ride
    7. How simple can it be

Gesamtspielzeit: 48:40 min.

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