Cretin 66 - Demolition safari

Cretin 66- Demolition safari

Middle Class Pig / Cargo
VÖ: 29.10.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Überdruck und Luftgitarren

Im Kapitel 3 des geheimen Handbuchs "Für den Plattentests-Redakteur" steht in dicken Lettern ein Merksatz, der aus guten Gründen immer wieder gern mißachtet wird: "Passe den Schreibstil Deiner Rezension immer der Musik des besprochenen Albums an!" Im Falle von Cretin 66 sähe dies etwa wie folgt aus: "Yeah! Neue Scheibe aus Kansas City! Geiles Teil, Alter! 'R&B PUNK ROCK'N'ROLL FUCKED-UP METALLIC NOISE' steht fett auf dem Cover. Stimmt! Dieser Scheiß ist heiß! Noch Fragen, Mann?"

Eine solche Kritik würde "Demolition safari" zwar in Sachen Tempo und Gesamtlänge weitgehend entsprechen, und sogar der Grundtenor stimmte. Trotzdem kann man dem Phänomen Cretin 66 so nicht gerecht werden. Diese Band schickt sich - weitgehend unbeachtet von den Medien - an, das zu tun, was derweil die schreibende Zunft gerne einer Band wie den Strokes nachsagt: Cretin 66 retten den Rock'n'Roll. Freilich nicht den Rock'n'Roll, der in den frühen Sechzigern domestiziert wurde und den manche "den Echten" nennen, sondern die Wildform, die seit den Fünfzigern die Gosse bevölkert und die sich durch evolutionäre Anpassung an härtere Zeiten immer weiter von seinen Urahnen entfernt hat.

Okay, ganz allein sind Cretin 66 auf ihrer Rettungs-Mission nicht. Vielmehr sind sie Teil eine weltweit operierenden Organisation von Bands, die im Halbschatten agieren und den Dreck pflegen. Die Führung dieser Organisation saß bis vor kurzem noch irgendwo in Schweden, mit den aktuellen Alben von Zeke, den Middle Class Pig-Labelkollegen The Masons und eben Cretin 66 geht das Zepter aber mal wieder auf amerikanischen Boden.

Aber was genau macht "Demolition safari" so unwiderstehlich? Zunächst reißt das Tempo der Songs den Hörer unweigerlich mit. Und Langeweile ist bei 15 wirklich unterscheidbaren Songs in knapp 26 Minuten so gut wie ausgeschlossen. Songtitel wie "Gonna do it tonite", "Hellbound and haulin' ass" oder "Go kids go" halten, was sie versprechen und das bekannten Hardcore-Emblemen nachempfundene Kreuz mit den Buchstaben KCRR (Kansas City Rock'n'Roll) auf dem Innencover wirkt nach ein paar Hördurchgängen nicht mehr als Parodie. Dafür, daß der Spaß trotzdem nicht auf der Strecke bleibt, sorgt nicht nur die als Bonustrack enthaltene Coverversion von "In-a-gadda-da-vida", die lediglich fantastische 49 Sekunden dauert.

Vor allem spricht aber wohl der ehrliche und echte Schmutz, der sich in den zahlreichen Ecken der Songs von Cretin 66 sammelt, den geneigten Hörer an. Und die charmante Leck-Mich-Attitude der Drei aus Kansas City, die sich keinen Deut um Erwartungen von irgendwem scheren. "If you don't like then I don't care." Noch Fragen, Mann?

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Bang yer fuckin' head
  • Gonna do it tonite
  • She don't like the Bad Brains
  • Soda pop bubble gum

Tracklist

  1. Bang yer fuckin' head
  2. Dunce
  3. Head blown off
  4. Gonna do it tonite
  5. She lied
  6. Psychodelic baby
  7. Hellbound and howlin ass
  8. Iron midget
  9. She don't like the Bad Brains
  10. Soda pop bubble gum
  11. The llama song
  12. Go kids go
  13. Shangalang
  14. I don't care
  15. The majesty of love

Gesamtspielzeit: 25:56 min.

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