Mike Patton - Mondo Cane

Mike Patton- Mondo Cane

Ipecac / Soulfood
VÖ: 07.05.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hundsgemein

So nah an "Wetten dass…?" war er noch nie. Sollte Gianna Nanini nächstes Mal keine Zeit oder Eros Ramazotti keine Lust auf ein unangenehmes Wiedersehen mit seiner Exfrau haben, könnte der ewig junge blonde Engel Thomas Gottschalk als veritablen Ersatz Mike Patton mitsamt Orchester einladen und ihn einen der Songs von "Mondo Cane" spielen lassen. Vier Jahre nach seinem radikalen Pop-Versuch "Peeping Tom" wagt sich Patton auf stiefelförmiges Neuland, nimmt sich den italienischen Schlager vor - macht sich aber natürlich nicht mit ihm gemein, sondern steckt mit seiner offenbar angeborenen Genialität Zucchero und Konsorten locker in die Tasche. Lächerlich wirkt das dabei auf keinen Fall.

Und das, obwohl Pattons Ausflug nach Bella Italia so schnulzig beginnt, wie nur möglich. Die Streicher flehen im Hintergrund um Aufmerksamkeit, klassische Persussioninstrumente klimpern nebenan und der Zeremonienmeister schmachtet "Il cielo in uns stanza" ins Mikrofon. Patton will nicht nur ein bisschen mit Mafia-Klischees spielen und seine Hörer auf den Arm nehmen. Er meint das ernst, todernst. Und so verwunderlich ist das auch überhaupt nicht. Schließlich war Patton mit einer Italienerin verheiratet, hatte ein Haus in Bologna und spricht fließend italienisch.

Seine Intonation klingt dementsprechend natürlich. Pattons Interpreationen der Italo-Schlager auf "Mondo Cane" sind gleichzeitig locker und detailversessen. "Quello che conta" lässt mit plärrender Trompete, Glockengeläut und tiefem Gegrummel zu Beginn Spaghettiwestern-Stimmung aufkommen und vollzieht dann die Kehrtwende zu einer vorsichtig instrumentierten, ein wenig opernhaften Streicherballade. In "Ore d'amore" gibt Patton den halb-coolen, halb-diabolischen Crooner am Klavier und lässt sich dann von den Violinen die eine oder andere Oktave nach oben entführen. Glücklicherweise fehlen auf Pattons Italienreise auch seine unberechenbaren Ausbrüche in die extrovertierteren Gefilde des Wahnsinns nicht. "Urlo negro" kotzt sich in der Strophe aus wie Macchiavelli über die Medici und verfällt dann in einen weinseligen und absurd kurzen Schunkelrefrain. Der Song wirkt zerrissen und bleibt doch unweigerlich sofort im Ohr hängen.

"L'uomo che non sapeva amare" versammelt schließlich das gesamte Orchester hinter dem Zampano, der sich entsprechend theatralisch gibt. Doch schon im nächsten Song "20 km al giorno" herrscht zu Beginn wieder Kammermusik-Atmosphäre. Patton fährt trotz seines musikalisch ziemlich erdrückenden Oberthemas immer neue Ideen auf und kitzelt aus seinem Orchester die nötige Dynamik und Abwechslung heraus, um "Mondo Cane" auch über einen Auftritt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hinaus spannend zu halten.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Deep down
  • Urlo negro
  • L'uomo che non sapeva amare

Tracklist

  1. Il cielo in una stanza
  2. Che notte!
  3. Ore d'amore
  4. Deep down
  5. Quello che conta
  6. Urlo negro
  7. Scalinatella
  8. L'uomo che non sapeva amare
  9. 20 km al giorno
  10. Ti offro da bere
  11. Senza fine

Gesamtspielzeit: 36:08 min.

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