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Kafkas - Paula

Kafkas- Paula

Domcore / Broken Silence
VÖ: 16.04.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Damals wie heute

Fast wäre "Paula" draufgegangen. Dabei hatte "Paula", Platte der Fuldaer Punkband Kafkas, einen ganz guten Start. Als man sie im Frühjahr in die Briefkästen all der Musik-Redaktionen verschiffte, muss sie dort so manchen Nerv getroffen haben. Seit fast acht Jahren hatte niemand mehr ein Kafkas-Album besprechen dürfen. Ihr Punkrock war immer gleich drei Dinge auf einmal: Gut gelaunt, sozial bewusst und spaßig, ohne doof zu sein. Auf manchem Schreibtisch stapelten sich die "Bitte melde Dich!"-Schreiben, die man bloß vergessen hatte, abzuschicken. Jetzt, mit "Paula", waren Kafkas wieder da. Verbimmelt man seine Zeit auf ihrer Band-Homepage, stolpert man rasch in die Finger von Rezensions-Prosa, der man anmerkt, dass da vielleicht jemand Freunde gefunden hatte im Wiederhören. Wer wissen will, warum man "Paula" zeitweise künstlich beatmen musste, darf sich mit uns auf eine kurze Zeitreise begeben. Ins Frühjahr 2002.

Das Juz in St. Ingbert im Saarland ist am Abend dieses 26.04.2002 ein Juz fast wie alle anderen. Auch hier bröckelt in mancher Ecke der Putz, den das Kassenloch nicht hat retten können. Wer pieseln will, muss die Etage wechseln. Im Erdgeschoss steigt die Action - und damit ist nicht etwa der Tischkicker gemeint. Selbst einige Erstreihen-Besucher, die sich im Deutsch-Unterricht erfolgreich um das Pauken von Lyrik gedrückt haben, selbst sie rezitieren Liedtexte, als hätten sie sich wochenlang auf diesen Abend vorbereitet. Vorne auf einer Bühne, Modell "Jugendzentrum Deutschland", strahlt eine Band bei jedem Song, den sie spielt, breiter. Erst kürzlich hatte jene Band ein wenig von dem Spaß in den deutschsprachigen Punkrock zurückgebracht, den ihm ...But Alive und später Muff Potter ausgegrübelt hatten. Am 26.04.2002 spielen in St. Ingbert im Juz Kafkas.

Parkt man die Plattenspieler-Nadel acht Jahre später auf dieser "Paula"-Platte, erkennt man sie wieder: die Maximal-Vierminüter, die einen nicht extra auffordern müssen, den Hintern hochzukriegen. Keine Frickel-Orgie und keine Bremsklotz-Bridge könnten "90 Minuten" ausbremsen, bevor es seinen Mitmach-Refrain erreicht. Wer im Deutschrock-Stampfer "Hell oder Dunkel" mitsingt, sieht selbst mit zwo Promille noch besser aus als die meisten Lacher, die Castingshow-Gurus in der Vorauswahl zum Affen machen. Dabei haben Kafkas ihre Sonnenseite auf "Paula" so blank poliert, dass man sich glatt darin spiegeln kann. Nur wer hier einen Kasten Sonnencreme mitbestellt, hält all das 15 Songs ohne Folgeschäden durch.

Kafkas müssen gewusst haben, dass ihre "Paula"-Platte eine Musik gewordene Einbahnstraße in den Sommerurlaub auf Rügen ist. Denn "Paula" kann man zweiteilen, ohne dass sie sich wehren würde: in zwei Sorten Songs nämlich. Poprock-Songs aus der Komfort-Zone mit Schlagseite zu frühen Virginia Jetzt! und Elektronik-Clash wie die Single "Klatscht in die Hände", die andere schon als NDW-Revival abgeheftet haben wollen. Eigentlich Makulatur, denn es gibt auf "Paula" kaum einen Song, der nicht seine frisch gewienerte Kalkleiste Gassi führt wie ein Staubsauger-Vertreter - oder eine Feierabend-Ulknudel, die einem einen Pups als Schenkelklopfer verticken will. Natürlich: Wenn Kafkas in "Leben ist gut" losgrinsen, grinst man mit. Blöd geht weiterhin anders. Nur sollte mal ein Freund die Band beiseite nehmen und sagen, was Sache ist.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Klatscht in die Hände
  • 90 Minuten

Tracklist

  1. Klatscht in die Hände
  2. Deine Lippen schweigen
  3. 90 Minuten
  4. Leben ist gut
  5. Wenn es eine Hölle gibt
  6. Ich will kein Kumpel von euch sein
  7. ... wenn ich mal ein Tattoo habe
  8. Die Götter versagen
  9. Hell oder dunkel
  10. Der Kuchen ist gegessen
  11. Zwei Hände reichen nicht
  12. Warum kann die Welt keine Scheibe sein?
  13. Irgendwas ging schief
  14. 2000 Hände
  15. Nur noch eine Raste

Gesamtspielzeit: 38:43 min.

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