Melissa Etheridge - Fearless love

Melissa Etheridge- Fearless love

Island / Universal
VÖ: 23.04.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ordnung ist nur halbes Leben

Ein perfektes Image ist genau das eben meist nicht. Oder kann eines Tages bröckeln. Das hat mittlerweile sogar Linda de Mol begriffen. Von der "Traumhochzeit" nun hin zur Vermittlerin für Liebesdienste mit Altpapierzustellungsbonus. Auch Melissa Etheridge scheint ein wenig das Sauberfrau-Problem zu haben. Das wäre allerdings halb so wild, wenn sie sich in dieser Rolle nicht auch noch sauwohl fühlen würde. An sich ist an Aktivitäten für Umweltschutz und an Demokraten-Unterstützung nichts auszusetzen, allerdings schlägt dieser Glanz hier musikalisch aufgeblasen nieder. So ist "Fearless love" - selbstverständlich nur nach eigener Aussage - das beste Album, das Etheridge jemals gemacht hat. Sie lässt ihren Sound auf dem mittlerweile zehnten Studioalbum immer noch alles aufpolieren, was er in seiner Reichweite findet, und so richtig will sich der Unterschied zu den vorherigen Platten nicht bemerkbar machen.

Schon der Titeltrack klingt schaumig zugekleistert. Selbstgefällig kreiseln die Saiten um sich selbst. Das Schlagzeug dümpelt monoton vor sich hin, bevor die Kurve Richtung Refrain zeigt und in der Mitte für etwas Dynamik gesorgt werden muss, die aber niemandem weh tut. Die Gitarren werden artig ins Midtempo gedrosselt für diesen Sound, der vorhersehbar ist wie eine Szene mit Bananenschale. "Miss California" beginnt dann mit einem Jauchzer und stampft sich fröhlich in die Langweiligkeit. Von so viel Gleichförmigkeit könnte sogar noch Chad Kroeger lernen. Dabei zeigt "Company" in den ersten Sekunden das Potenzial zu Gefühl, bevor wieder Schicht um Schicht drübergeschüttet wird. Ihre Leiden und Geschichten kann Etheridge auch textlich leider nur in ein altbekanntes Korsett zwängen. "Freedom's just a story that we tell / I say give me liberty or give me hell / I know life is just a song." Da helfen auch Joss Stone und Natasha Bedingfield als Background-Chor nicht viel.

Dabei beweist etwa "Indiana", dass es auch Variationen in diesem Klang geben kann, wenn auch das wieder vorhersehbar ist. Aber das kann für etwas Abwechslung in Kauf genommen werden. Die Powerballade hat bis zu diesem Zeitpunkt auch irgendwie auf sich warten lassen. Danach geht das Gestampfe wieder weiter, doch diesmal kann "Nervous" mit seinen unsicheren Gitarren überzeugen. Das liegt vorallem auch mal an Etheridges Stimme, die Leidenschaft und Wut zeigt und nicht steril vor sich hin röhrt. In diesem Moment fehlt es endlich ein wenig an jener penetranten Selbstsicherheit, die sich durch den Rest des Albums zieht. Doch ein Aufbegehren bleibt trotzdem aus. Ein rotziges Tisch-Umwerfen wird sich niemals finden. Unmotiviert trommelt das Schlagzeug seine Takte runter, die Gitarren erfüllen danach wieder artig ihre Rolle. Alles hat auf "Fearless love" eben seine Ordnung.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Nervous
  • To be loved

Tracklist

  1. Fearless love
  2. The wanting of you
  3. Company
  4. Miss California
  5. Drag me away
  6. Indiana
  7. Nervous
  8. Heaven on earth
  9. We are the ones
  10. Only love
  11. To be loved
  12. Gently we row

Gesamtspielzeit: 56:35 min.

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