1 Giant Leap - 1 Giant Leap

1 Giant Leap- 1 Giant Leap

Palm Pictures / Zomba
VÖ: 29.10.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eine Welt

Das hätte sich Jules Verne nicht träumen lassen. Hatten seine Romanhelden noch 80 Tage gebraucht, um die Welt zu umrunden, schaffen dies Jamie Catto (Ex-Faithless) und Duncan Bridgeman unter dem Namen 1 Giant Leap in gerade einmal siebzig Minuten. Mit einem Laptop bewaffnet zogen sie los, um auf allen Kontinenten Klänge einzufangen und nicht nur Musiker, sondern Künstler aller Art zu einer riesigen, zeitversetzten Jam-Session zu bewegen. Schon auf dem Plattencover findet sich der Spruch, der Anreiz und Aussage dieses Projektes zugleich ist: "To explore the unity in diversity". Kulturen so unterschiedlich wie Tag und Nacht wurden eins in der Musik. Töne, Klänge und Gesänge sprechen wieder eine gemeinsame Sprache.

Manch einer mag sich an einen ähnlichen Ansatz erinnern, den vor etwas über zehn Jahren bei einem Projekt von Kevin Godley und Rupert Hine unter dem Namen "One World One Voice" für Furore als Film und Album sorgte. Anders als damals haben es Catto und Bridgeman aber bei ihren Reisen durch Afrika, Asien, Europa, Australien und die beiden Amerikas geschafft, auf den Song an sich hinzuarbeiten. Dank der Stimmen von Robbie Williams, Maxi Jazz, Michael Stipe, Horace Andy, Grant Lee Philips, Eddie Reader und vielen, vielen anderen sowie der Besinnung auf den Groove schälen sich zwischen den vielen Klangschichten immer wieder Tracks heraus, die nach durchaus westlichen Prinzipien funktionieren.

Die recht hiphoplastige Vorabsingle "Braided hair", die Speech (Ex-Arrested Development) und Neneh Cherry dabei belauscht, wie sie beim Philosophieren über die Vorteile von geflochtenen Zöpfen ein paar Seitenhiebe gegen den Ku-Klux-Clan auspacken, erwischt einen mit Beats und Loops aber fast auf dem falschen Fuß. Die Völkerverständigung macht jedenfalls nicht vor den Frisuren halt. In "My culture" spielen sich Maxi Jazz und Robbie Williams die Bälle und Worte zu, als suchten sie ihre nächsten Ohrwürmer mitten im Dschungel von Ghana und ihr Heil in Polyrhythmen. Michael Stipes eindringlicher Gesang sorgt bei "The way you dream" im Zusammenspiel mit der indischen Zauberstimme von Asha Bhosle für mehr als nur eine Gänsehaut.

So verkriecht sich die multikulturelle Botschaft nicht hinter verkopften Strukturen und unzugänglichen Harmonien, sondern gleitet auf sanften Popwellen mitten ins Gehörzentrum. Während sich Künstler wie Linton Kwezi Johnson, Andy Summers, Michael Franti, die Mahotella Queens, Baaba Maal und die Blue Man Group zu einschmeichelnder Harmonie zusammenraufen und butterweiche Elektronik friedlich mit verloren schwebenden Klangwelten aller Kontinente spielt, erstrahlt auch das Zitat, das dem Projekt seinen Namen gab, in neuem, hoffnungsfrohem Licht: "Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit." Neil Armstrong hätte seine helle Freude daran.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • My culture (feat. Robbie Williams and Maxi Jazz)
  • The way you dream (feat. Michael Stipe and Asha Bhosle)
  • All alone (on Eilean Shona)

Tracklist

  1. Dunya salam (feat. Baaba Maal)
  2. My culture (feat. Robbie Williams and Maxi Jazz)
  3. The way you dream (feat. Michael Stipe and Asha Bhosle)
  4. Ma' Africa (feat. The Mahotella Queens and Ulali)
  5. Braided hair (feat. Speech and Neneh Cherry)
  6. Ta moko (feat. Whiri Mako Black)
  7. Bushes (feat. Baaba Maal)
  8. Passion (feat. Michael Franti)
  9. Daphne (feat. Eddi Reader, The Mahotella Queens and Revetti Sakalar)
  10. All alone (on Eilean Shona)
  11. Racing away (feat. Grant Lee Phillips and Horace Andy)
  12. Ghosts (feat. Eddie Reader)

Gesamtspielzeit: 70:28 min.

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