Hole - Nobody's daughter

Hole- Nobody's daughter

Mercury / Universal
VÖ: 23.04.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gebrauchtscham

Fünf Jahre Arbeit, vier Songschreiber, drei Entzüge (geschätzt), zwei Rückfälle (laut Boulevard), no alarms and no surprises. Das ist die Bilanz von Holes erstem Album seit 1998. Kleinliche Menschen würden jetzt natürlich darauf hinweisen, dass Hole und Courtney Love doch eh ein und dasselbe sind. Und "Nobody's daughter" genau genommen die erste Hole-Platte seit Loves vermeintlichem Soloalbum "America's sweetheart" von 2004. Auch das ändert jedoch nichts daran, dass wohl niemand mehr überhaupt noch ein Album von Hole oder Love erwartet hätte. Allerdings lautet die überaus überraschende Erkenntnis: Ganz so schlecht ist das gar nicht.

Love klingt tatsächlich etwas älter und gereifter in der Stimme. Die Aggressivität ist auf dem Weg von der Betty-Ford-Klinik ins Studio ein wenig auf der Strecke geblieben. Was einigen Songs sehr zugute kommt. "Pacific coast highway", bei dem Billy Corgan als Co-Writer fungiert, ist das Highlight auf "Nobody's daughter" und erinnert stark an "Malibu", eines der großen Stücke des überragenden Albums "Celebrity skin". Corgan, der insgesamt an vier Songs beteiligt ist, hat auch den markanten "People like you fuck people like me"-Part bei "Samantha" zu verantworten, einem weiteren positiven, weil aggressiven, aber doch unaufdringlichen Track des Albums.

Neben Corgan wirkte auch Linda Perry am Songwriting einiger Stücke mit. Das schwermütige "For once in your life" umgibt eine gewisse mütterliche Aura. Für ein paar Minuten scheint es, als hätte Love tatsächlich etwas Frieden mit sich und der Welt gemacht. Der Song badet im eigenen Wohlklang und passt sehr gut zur mittlerweile Mittvierzigerin. Da hat Perry, wie auch bei "Someone else's bed" und zusammen mit Corgan beim ruppigen "How dirty girls get clean", gute Arbeit geleistet.

Etwas unangenehm wird es dann, wenn Love versucht, das Klischee der einzig wahren Rockbitch auf diesem Planeten aufrechtzuerhalten. Das klingt immer nach etwas abgeschmackten Abziehbildchen früherer Großtaten auf "Live through this" und "Celebrity skin". Die erste Single "Skinny little bitch" und "Loser dust" sind dann auch nicht mehr als fade Kopien eines Songs wie "Celebrity skin". Richtig schlimm aber ist der schmierige "Letter to god", den Perry ganz allein zu verantworten hat. Love fleht in miesen Reimen gen Himmel, der Herr dort oben möge ihr doch endlich zeigen, wer sie wirklich ist. Fremdscham ist hier das einzig treffende Wort. Zum Glück sind solche Momente rar gesät auf "Nobody's daughter". Braucht es also ein neues Hole-Album? Nein, aber wenn es Courtney Love hilft, wieder dauerhaft auf die Beine zu kommen, dann soll auch das recht sein.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Pacific coast highway
  • Samantha

Tracklist

  1. Nobody's daughter
  2. Skinny little bitch
  3. Honey
  4. Pacific coast highway
  5. Samantha
  6. Someone else's bed
  7. For once in your life
  8. Letter to god
  9. Loser dust
  10. How dirty girls get clean
  11. Never go hungry (Bonus track)

Gesamtspielzeit: 47:09 min.

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