Jimmy Eat World - Singles collection

Jimmy Eat World- Singles collection

Big Wheel Recreation / Defiance / Zomba
VÖ: 22.10.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die dritte Halbzeit

Das weite Rund kocht. Nach zwei wahrhaft berauschenden Halbzeiten zauberhaftesten Angriffsspiels geht die Partie dem Schlußpfiff entgegen. Inmitten der bierselig gegröhlten Frage "How long would it take me / To walk across the United States / All alone?" skandiert die Südkurve immer wieder lautstark "Einer geht noch, einer geht noch rein!" Der Schiri wird nervös. Soll er diesem Jahrhundertkick wirklich schon durch so etwas triviales wie das Entleeren seines spärlich bemessenen Luftvorrates in eine Trillerpfeife ein jähes Ende berreiten? Mit zusammengekniffenen Augen sucht er den Blick zu seinem Assistenten. Als sich die beiden Augenpaare über dem satten Grün des Rasens treffen, liegt ein elektrisierendes Knistern in der Stadionluft. Der Fanblock hält den Atem an. Ein Kopfnicken. Zwei Kopfnicken. Die beiden Cheftrainer brüten schon über letzte taktische Änderungen. Dann, nach endlosen Sekunden der Anspannung folgt das erlösende Handzeichen des Mannes in Schwarz: Verlängerung!

Damit heißt es in Deutschland für das Jahr 2001: Jimmy Eat World, die dritte. Mit der "Singles collection" findet nun auch eine im letzten Mai herausgegebene Zusammenstellung von älteren Compilation-Beiträgen und in Ehren ergrauten Seven-Inch-Schätzchen den Weg über den Atlantik nach Hintertupfingen. Deren Tracklist entpuppt sich als durchaus brauchbare Retrospektive auf die Prä-Capitol-Ära. Die Zeit vor dem großen Major-Deal. In der Tat haben nicht nur das wunderbare "Opener" oder das fluffig vor sich hinrockende "What I would say to you now" mehr Lenze auf dem Buckel, als die heutige Anhängerschaft Fingerchen an einer Hand. Ein kollektiver Rückblick auf das eigene Schaffen macht auch nach der vergleichsweise aalglatten Perfektions-Konfitüre eines "Bleed American" durchaus Sinn. Denn hier werden den Engelsharfen der letzten beiden Alben ordentlich die Flügel gestutzt. Dermaßen rauh und unkalkuliert wird es Jimmy Eat World wohl niemals wieder zu hören geben. Die Operation "Rawness revisited" läuft an, um - soviel sei vorweggenommen - in dem unter anderem von "Static prevails" und der Splitsingle mit Christie Front Drive wohlbekannten "Digits" seinen rühmlichen Abschluss zu finden.

So kommt es, wie es kommen muß. Während Zach Lind hinten mit Schlagstock bewaffnet den Kasten auf blitzblank trimmt, verleiht Rick Burch tiefdröhnend dem bisweilen etwas stockenden Spielrhythmus sein Fundament. Für die Laolas im abendlichen Flutlicht sind mal wieder die Gesangs-Doppelpässe von Jim Adkins und Tom Linton verantwortlich, welche in einer ungeschliffenen Präzision vorgetragen werden, die nicht mehr viele Wünsche offen läßt. Doch dem zu damaligen Zeiten noch großzügig aufgedrehten Verstärker-Equipments zum Trotz fehlt etwas der Zug zum Tor, die nötige Konzentration auf die Unterbringung des Schweinsleders zwischen den Alupfosten. So schafft man es zwar, drohende Abseitspfiffe bereits im Akustik-Keim zu ersticken, sonderlich konsequent geben sich die Herren beim Dribbeln um den Gegner aber nicht mehr. They're better than this and we do know. Außerirdisch gute Darbietungen haben Jimmy Eat World mit der "Singles collection" jedoch gar nicht mehr nötig. Die souveräne Meisterschaft wurde - wie an anderer Stelle nachzuhören - schließlich bereits in der regulären Spielzeit eingefahren.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Opener
  • Spangle
  • Digits

Tracklist

  1. Opener
  2. 77 satellites
  3. What I would say to you now
  4. Speed read
  5. Spangle
  6. H model
  7. Ramina
  8. Christmas card
  9. Untitled
  10. Carbon scoring
  11. Digits

Gesamtspielzeit: 37:32 min.

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