Blunt Mechanic - World record

Blunt Mechanic- World record

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 30.04.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wider die Perfektion

Viele Gesichter dürften in schattiger Traurigkeit und nostalgischer Rührseligkeit gelegen haben, als Scott Kannberg anlässlich des 20. Bandjubiläums von Pavement verkündete, dass es neben der Tour und dem Best Of kein neues Album der Vorzeige-Slacker geben würde. Und auch bei Chokebore ist ungewiss, ob den Comeback-Konzerten ein Album folgen soll. Was soll man nun tun, wenn man die herrlich schrägen Melodien, die verschrobenen Harmonien und die widerspenstig-sympathischen Gitarrendengeleien vermisst? Wenn einem schnöselige Underachiever-Lyrik fehlt, die doch so herrlich die eigene Existenz in all ihrer Widersprüchlichkeit, Antriebslosigkeit und Verschlafenheit widerspiegelt? Die Antwort könnte die amerikanische Band Blunt Mechanic sein, die mit ihrem Debüt "World record" die Zeit zurückdreht und circa im Jahr 1995 landet. Hier sprießen die windschiefen Indiehymnen aus dem Boden wie der Löwenzahn im Mai und strahlen dabei in ihrer unperfekten Gebrochenheit eine Nonchalance aus, die vielen gegenwärtigen Bands abgeht.

Hinter Blunt Mechanic verbirgt sich vor allem eine Person: Ben Barnett, ehemals Gitarrist der Thermals, kreativer Kopf von Kind Of Like Spitting und notorischer Einzelgänger, der sich in seiner Bude in Seattle verschanzte, um in Ruhe diese zwölf Stücke zu erspinnen. "Thrown out at third" legt schon wunderbar quengelig los, die Gitarre immer auf unkontrollierbarem Kurs gen Saitensprung. Besonders rührselig ist der sanfte Folkpunk von "Pop song", in dem Barnett über die Absichten und Botschaften der Popmusik sinniert und zur Erkenntnis gelangt, dass die heutigen Chartbreaker zumeist fadenscheinige Binsenweisheiten à la "Ende gut, alles gut" verkaufen wollen. Blunt Mechanic bewegen sich auf "World record" stets im Koordinatensystem zwischen unaufhaltbarem Folk, der drängelt und zu keiner Zeit ruhig sitzen bleiben kann, und andächtigem Punk, der weiß, wann es besser ist, das Tempo zu drosseln.

"World record" ist ein autobiografisches Album. Eines, das einen freien, unbebrillten Blick auf das kühne Leben eines melancholischen Sympathikus gewährt. Auf das innere Seelenleben eines Mannes, der dieses Album in Eigenregie geschrieben und eingespielt hat und der von musikalischem Tatendrang besessen zu sein scheint. Dieses Debüt ist ein achtenswertes Statement wider die Perfektion und die mustergültige Vollkommenheit der modernen Musik. In diesem Sinne steht Barnett ganz in der Tradition der großen Indierock-Bands der 90er. Und wer weiß, vielleicht kreiert Barnett eines Tages sein eigenes "Crooked rain, crooked rain". Das Potenzial dazu hat er allemal.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Thrown out at third
  • Pop song
  • Why can't this be Canada

Tracklist

  1. Gear check
  2. Throw out at third
  3. Proof
  4. Aluminum and light
  5. Is or isn't all the same
  6. Our first brains
  7. Pop song
  8. Getting it
  9. Why can't this be Canada
  10. Enough
  11. Song 4
  12. Get home safe

Gesamtspielzeit: 38:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
toterkater
2010-06-01 02:00:27 Uhr
gerade zum ersten Mal durchgehört... großartig
ween
2010-05-03 13:46:57 Uhr
Was ist denn mit dem Grand Hotel los ? Schuss mit Poprock ?
rollo.aller
2010-04-06 21:03:08 Uhr
Erscheint wohl über GHVC hier in Deutschland, für hört sichs ganz gut an...mal sehen, ob man schon bald ins Album reinhören kann.
ZickZack
2010-04-04 16:09:20 Uhr
Das Album erscheint am 20.04.2010.
Indie/Folk/Punk steht auf Myspace.
Klingt nach Lo-Fi. Aber nicht langweilig.

http://www.myspace.com/bluntmechanic

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