Ash - A-Z Vol. 1

Ash- A-Z Vol. 1

Laserlaser / Rough Trade
VÖ: 30.04.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Vorzeige-Kürbisse

Ein ganz schöner Schlingel, dieser Billy Corgan. Da verkündete die bekannteste Glatze des Rock im Herbst letzten Jahres doch tatsächlich großspurig die Revolution im Musikbusiness: "Teargarden by kaleidyscope" - 44 neue Lieder seiner Smashing Pumpkins, zunächst nur der Reihe nach als Download und nicht als Album erhältlich. Dabei tat Corgan so, als wäre er der erste, der auf eine solche Idee kommt. Weit gefehlt: Ash hatten diese Eingebung schon viel früher gehabt und bereits vor einem Jahr ihre "A-Z Singles Series" angekündigt, nachdem "Twilight of the innocents" als letztes Album des Trios vermarktet wurde. Was sich zunächst nach dem Abschied einer Institution anhörte, entpuppte sich als Neuorientierung - die Zukunft sollte fortan digitalen Downloadsingles gehören.

Nicht die schlechteste Idee, vor allem bei einer Band wie Ash. Trotz einiger hervorragender Alben erinnert sich die breite Masse der Musikhörer dann doch hauptsächlich an die zuckersüßen Melodien von Hits wie "Girl from Mars", "Shining light" oder "Orpheus". Das Konzept der im Oktober letzten Jahres gestarteten Singles-Reihe liest sich dann so: alle zwei Wochen ein Song zum kostenpflichtigen Download, das macht bei 26 Songs ein Jahr lang konstant neue Musik zum verhältnismäßig schmalen Preis. Und wer sich das Abo und die damit verbundenen kostenlosen B-Seiten gespart hat, kann sich nun auf der ersten von zwei Compilation-CDs der Reihe davon überzeugen, dass Tim Wheeler und seine beiden Mitstreiter die Form des großartigen "Twilight of the innocents" locker gehalten haben.

Vom Bubblegum-Brit-Punk der frühen Jahre ist bei den mittlerweile auch schon über 30-Jährigen natürlich schon länger nichts mehr übrig. Stattdessen lassen sich die 13 Singles grob in drei Kategorien einteilen. Zum einen gibt es besinnliche Schunkelballaden wie "True love 1980" und "Tracers", zum anderen abgeklärte Breitbein-Rocker wie "Joy kicks darkness", "Dionysian urge" oder das rumpelnde "The dead disciples" und schließlich großartig spritzige Ohrwürmer wie "Ichiban" und "Space shot". Mit dem Gratis-Download "Return of white rabbit", der die Reihe im vergangenen Mai eröffnete, findet sich darüber hinaus ein funkiger Tanzbodenfüller der gehobenen Güteklasse. Hier und da blubbern elektronische Spielereien durch die Kulisse und schlagen den Rockgitarren ein Schnippchen, doch der eigentliche Star ist wieder einmal Wheelers Songwriterkunst.

Wie dieser schmächtige Strahlemann es schafft, immer wieder herrlich eingängige Melodien ohne jede Käsigkeit aus dem Ärmel zu schütteln, ist wohl eines der letzten ungelösten Rätsel der Menschheit. Trotz des ein oder anderen schwächeren Kandidaten wie "Song of your desire" sucht man richtige Ausfälle hier vergebens.Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann wohl hauptsächlich die aufgrund der chronologischen Anordnung nicht immer homogene Tracklist. Die vier exklusiven Bonustracks, die am Ende der CD auftauchen, können zudem bis auf das knackige "The creeps" die Klasse der Singles nicht ganz halten. Aber warum groß herummäkeln? Ash zeigen, dass Revolutionen auch ohne viel Tamtam funktionieren, wenn nur die Qualität der Erzeugnisse stimmt. Und jetzt Du, Billy.

(Mark Read)

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Highlights

  • Return of white rabbit
  • Joy kicks darkness
  • Arcadia
  • Ichiban
  • Space shot

Tracklist

  1. Return of white rabbit
  2. True love 1980
  3. Joy kicks darkness
  4. Arcadia
  5. Tracers
  6. The dead disciples
  7. Pripyat
  8. Ichiban
  9. Space shot
  10. Neon
  11. Command
  12. Dionysian urge
  13. Song of your desire
  14. War with me
  15. Coming around again
  16. The creeps
  17. CTRL-ALT-DEL
  18. Do you feel it?

Gesamtspielzeit: 51:57 min.

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