Train - Save me, San Francisco

Train- Save me, San Francisco

Columbia / Sony
VÖ: 09.04.2010

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schlecht zu Vögeln

Klassisch: Das Cover täuscht. Die Golden Gate Bridge verschwimmt im Hintergrund, die Krähe wird zum König, und das Bildnis der vielleicht schönsten Stadt der Westküste Amerikas gerät zur klassischen Tragödie. So etwas kann schon mal zum Nachdenken anregen. Man sollte sich jedoch nicht allzu sehr in der Tierpsychologie verlieren, immerhin bebildert diese Krähe das neue Werk der Band Train. Und dass man hier bereits nach einer kurzen Einhörphase nicht von einer Tragödie, sondern von einem Drama sprechen muss, machen die ersten Takte des Albums "Save me, San Francisco" unmissverständlich klar.

Um das gleich ganz deutlich zu sagen: So scheußlich haben die Kalifornier in ihrer ewig anmutenden Karriere noch nicht musiziert. Ausgerechnet die Hommage an die goldene Heimat gerät zum schauerlichen, stickigen Stadionrock, der einem die Zunge am Gaumen festklebt und das bisherige Schaffenswerk der Band locker in den Schatten stellt. Die gutgelaunte, fröhliche, unangenehme Single "Hey, soul sister" wird dabei zum ersehnten Heilsbringer, zwischen all den großen Rocksongs und gefühlvollen Balladen.

Am trefflichsten verdeutlicht der Song "Parachute" den Schrecken, den "Save me, San Francisco" streut: Patrick Monahan sülzt sich in die rechte Stimmung und spannt seine große Geste auf die Spannweite des gemeinen Habichts, die Gitarren braten sich pünktlich zum Refrain ein paar pappige Eier, während der Song sich als herzergreifender Schmachtfetzen in die tumben Herzen der Gefühllosen bohrt. Jon Bon guckt dabei ziemlich doof aus der Wäsche: In diese Gefilde ist er bisher auch noch nicht vorgestoßen. Schlimmer wird das Ganze dann mit "This ain't goodbye". Wer das mag, hat sich sicher auch beim letzten Meg-Ryan-Film geheult.

Es gibt da noch "Breakfast in bed", der dreiste U2-Rip-Off, der knapp am "With or without you"-Cover vorbeirauscht und mit seinem Klickerbeat eine angenehme Abwechslung zum strapaziösen Muskelrock bietet. Es ist eine fünfminütige Erholung, das gefühlte Paradies, das Blau des Himmels. Doch kann man das gar nicht so bestimmt sagen, so sehr hat sich dieses pathetische Epos breitgemacht. Man zuckt apathisch, und leises Röcheln ertönt aus dem zugeschnürten Hals. So gut meinen es Train.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Breakfast in bed

Tracklist

  1. Save me, San Francisco
  2. Hey, soul sister
  3. I got you
  4. Parachute
  5. This ain't goodbye
  6. If it's love
  7. You already know
  8. Words
  9. Brick my brick
  10. Breakfast in bed
  11. Marry me

Gesamtspielzeit: 44:02 min.

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