New Young Pony Club - The optimist

New Young Pony Club- The optimist

PIAS / Rough Trade
VÖ: 16.04.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Alte Liebe rostet

Musikalische Aha-Erlebnisse sind ähnlich selten wie gelungene Liebesgedichte. Ab und an gibt es sie aber entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch. In diesem Fall lief im Sommer 2005 der Song "The get go" einer in Deutschland noch vollkommen unbekannten Band namens New Young Pony Club im Radio, was dazu führte, dass der Rezensent eine Minute später und quasi im Affekt das vermutlich letzte Exemplar der zugehörigen Single in England bestellte und die kleine schwarze Scheibe nach ihrer sehnlichst erwarteten Ankunft liebevoll an sich drückte. Das gleiche Spiel wiederholte sich, wenn auch mit allmählich schwächer werdender Intensität, bei den folgenden Singles. Beim erst zwei Jahre danach folgenden Album "Fantastic playroom" war die Liebe dann nicht mehr ganz so euphorisch (der Alltag war allmählich eingekehrt), zehrte aber noch von den Schmetterlingsgefühlen der Anfangszeit.

Nun kommt mit "The optimist" Album Nummer zwei der damals so großen Liebe. New Rave hieß das Label, das bei Erscheinen des Debüts noch allem aufgepappt wurde, was auch nur im Entferntesten nach Gitarrenband mit Keyboards und Mut zur Tanzfläche aussah. Wer auch immer das erfunden hat, es steht zu hoffen, dass er sein Leben lang bereut, was er getan hat. Denn nicht umsonst flohen die meisten Bands, die hier reingestopft wurden, so panisch vor dieser Schublade wie vor einem angreifenden Stinktier. Im Fall des New Young Pony Clubs sogar nicht ganz zu Unrecht. Klang doch "Fantastic playroom" weit kontrollierter und vor allem poppiger als zahlreiche andere notorisch aufgeregte Bands des damaligen Hypes. Mit denen hatte die Band aber allenfalls eine Vorliebe für etwas knalligere Bubblegum-Farben gemein.

Die sind auf dem neuen Album äußerlich einem alles andere als optimistischen, in ungesund fahlem Licht inszenierten Schwarz-Weiß gewichen. Musikalisch hat sich nicht übermäßig viel getan, sieht man davon ab, dass alles noch etwas poppiger und insgesamt ruhiger klingt als zuvor. Nur tut das "The optimist" nicht immer gut. Mit der Uptempo-Nummer "Lost the girl" geht es noch gut los. Auch der eher verhaltene Titelsong überzeugt mit präsentem New-Order-Bass und melancholischer Stimmung, die auch "Before the light" eine gewisse Dramatik verleiht, die in den engelsartigen Backgroundstimmen ihr Gegengewicht hat. Gleiches gilt für "We want to", das sich hüpfend für die Party in Stimmung bringt.

Alles könnte großartig sein, schließlich sind die Songs melodiös und eingängig, ohne auf Hit gebürstet zu sein. Nur fließt das alles so unaufhaltsam am Ohr vorbei wie der Autoverkehr beim gelangweilten Blick aus dem Fenster. Der Grund ist die Emotionslosigkeit, mit der die Band ihre Songs runterspielt und sie dadurch aller potentiellen Widerhaken beraubt. Dass das eigentlich ebenfalls gelungene, mit schönen Synthiesounds spielende "Oh cherie" nicht genug auf den Punkt kommt und "Dolls" sogar zickiges Nervpotential entwickelt, ist da nur noch eine Fußnote. Aber eine, in der vermerkt steht, dass die feurige Zuneigung von damals vielleicht nicht erloschen, aber doch merklich erkaltet ist. Alte Liebe rostet eben doch.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Lost a girl
  • The optimist
  • Before the light

Tracklist

  1. Lost a girl
  2. Chaos
  3. The optimist
  4. Stone
  5. We want to
  6. Dolls
  7. Before the light
  8. Oh cherie
  9. Rapture
  10. Architect of love

Gesamtspielzeit: 45:22 min.

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