Daughters - Daughters

Daughters- Daughters

Hydra Head / Indigo
VÖ: 09.04.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Vermächtnis

Wir haben uns vertan. Als sich vor ein paar Jahren die Hydra-Head-Platte "Hell songs" von Daughters zu uns verirrte, Gott weiß wie, da war es längst zu spät. All der Schlager-Punk, Waschlappen-Indie und Friseusen-Metal, den wir sonst für zwei Plätze auf der Gästeliste so alles schönschreiben, er hatte uns so weichgematscht wie 30 Jahre Privatfernsehen. Unser Horizont war nicht mehr zu retten, nichts ging mehr, rien ne va plus. Mag sein, dass selbst im Forum noch gezankt wird, in welcher Schublade man diese Daughters jetzt versenken kann. Und es stimmt ja auch, dass Daughters ihren Fahrschein in Harmonielehre beim Bimmel-Bingo gewonnen haben. Aber wie unrecht wir hatten, Daughters als Provokateure und Krachmacher zu verurteilen, das beweisen sie auf dieser Platte. Es wird wohl ihre letzte sein.

Elf Minuten. In dieser Zeit kann man locker: "Stairway to heaven" eineinviertel Mal rückwärts durchpfeifen, eine Pepperoni-Pizza auf einer Motorhaube garen - oder sich das Daughters-Debüt "Canada songs" anhören. In voller Länge. Elf Minuten brauchten Daughters damals nämlich, um Grindcore in seine Bestandteile zu zerlegen - und nie wieder zusammenzuflicken. Schon "Hell songs" dehnten Daughters auf gut 20 Minuten Spielzeit, aus Kompakt-Grind machten sie Freistil-Mathcore. Da mussten sie alle durch, vor allem jene, deren einziger Berührungspunkt mit Musik ein Kessel Buntes von Hitradio RPR1, von MTV und dem hiesigen Platten-Archiv ist. Dabei ist es jetzt, ab "Daughters", Spieldauer knappe halbe Stunde, so offensichtlich: Eigentlich sind Daughters verkappte Pop-Ästheten. Es hätte ihnen nur mal jemand sagen sollen.

Sicher, einen echten Ohrwurm würde Daughters-Sänger Alexis Marshall auch dann nicht in den Mund nehmen, würde man ihm die Beatles-Diskographie und einen Revolver vor den Kehlkopf halten. Noch immer nölt Marshall, als käme er gerade sturzbesoffen aus dem Pub geflogen, stinkend wie Sau, Kotzfleck am Hemdskragen. Und wenn seine Bandkollegen einen Song wie "The virgin" abschleppen, anschieben und abrubt wieder abbremsen, kann man sich schon mal fühlen, als sei man bei 100 Grad in der Trommel zwischen Muttis Kochwäsche geraten. Aber eigentlich sind auf "Daughters" von ebenso mehr als ein paar Momente, die anders können. Ganz, ganz anders.

Kein Wunder, dass Daughters auch an dieser Platte zerbrochen sind: "The hit" heißt nicht nur so, denn wenn er immer wieder am Spastcore dieser Band vorbeispaziert, stürzt er sich auf ein Riff, wie es all die beschissenen Discocore-Bands aus der Rock-Disse gerne selbst geschrieben hätten. In "The theatre goer" polen Daughters Mathcore gar auf Tanzfläche um, dass Omar Rodriguez-Lopez die Brillengläser anlaufen vor Neid. Und in "The unattractive, portable head" klatschen sie öfters in die Hände, als das Publikum von Britt, diese verkappten Beach Boys unter den vermeintlichen Krawall-Brüdern. Wer sich bis zum Myspace-Link vorarbeitet und das dann immer noch anders hört, liest Plattentests.de. Oder hat eine Freundin, die ihn den ganzen Tag mit Kettcar, Coldplay und U2 nervt. Hau wech die Scheiße!

(Sven Cadario)

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Highlights

  • The hit
  • The theatre goer
  • The unattractive, portable head

Tracklist

  1. The virgin
  2. The first supper
  3. The hit
  4. The theatre goer
  5. Our queens (one is many, many is one)
  6. The dead singer
  7. Sweet Georgia Brown
  8. The unattractive, portable head

Gesamtspielzeit: 27:55 min.

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