Her Space Holiday - Manic expressive

Her Space Holiday- Manic expressive

Wichita / Clearspot / EFA
VÖ: 15.10.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Motorola emptiness

Schon immer hat sich der Mensch von Technik anziehen lassen. Ehrfurcht und Faszination schlenderten solange Hand in Hand, bis der Reiz des Unbekannten, der den Schaltkreisen innewohnt, plötzlich philosophische Fragen aufwirft. Können auch Roboter träumen?

Dem Traum vom Geist in der Maschine gibt sich auch Marc Bianchi hin. Nach dem prozacvernebelten "Home is where you hang yourself" scheint der Kopf von Her Space Holiday wenn schon nicht das Tageslicht, dann doch zumindest den einen oder anderen elektronischen Gedankengang aufgeschnappt zu haben. So offenbart "Manic expressive" die musikgewordene Depression eines Computers. Wie aufbauend! Aber Maschinen sind schließlich auch nur Menschen.

Neben tränenreiche Gitarren gesellen sich auf dem neuesten Streich des verschrobenen Mannes aus San Francisco wiederum großzügige Mengen an Weichzeichner, diesmal in Form von ausladenden Streichern und plüschweichen Keyboards. Stoisch schreiten die Tracks voran und lassen sich nicht von den Haken schlagenden Samples und anderen Merkwürdigkeiten ins Stolpern bringen. Umschwebt von flirrenden Klängen gibt sich in "Key stroke" eine nicht wirklich fröhliche Computerstimme ihrem Kummer hin. Das gesäuselte "It's alright, it's alright" würde dabei wie ein bloßes Lippenbekenntnis wirken, wenn so ein Rechner überhaupt welche hätte.

"On my way to an early grave" weiß Bianchi und raunt fast unbeteiligt Geschichten von Monotonie und Depression, während die verschachtelten Beats sich oft eher lustlos um Abwechslung bemühen. Gitarrennebel mäandern durch niedergeschlagene Tracks wie "Spectator sport" oder "Perfect on paper", finden aber nicht immer den rechten Weg. Dennoch wohnt manchen synthetischen Klageliedern eine merkwürdige Ausstrahlung inne. Zwischen den Tränen von "Polar opposite" versteckt sich anrührende Schönheit. Orchestrale Stoßseufzer und schüchtern scheppernde Rhythmen trauen sich, die kalte Oberfläche der Maschine anzukratzen. Als ihre Seele endlich hervorlugt, flackert das Stroboskop in Zeitlupe. In dieser "Idioteque" tanzt niemand.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Lydia
  • Polar opposite
  • Key stroke

Tracklist

  1. Manic expressive [enter]
  2. Lydia
  3. The ringing in my ears
  4. Polar opposite
  5. Key stroke
  6. Spectator sport
  7. Hassle free harmony
  8. Perfect on paper
  9. Manic expressive [exit]

Gesamtspielzeit: 42:09 min.

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