Good Weather Girl - Boon

Good Weather Girl- Boon

Hazelwood / Indigo
VÖ: 09.04.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

In der Familie

Geschwister können grausam sein. Man kann sie hassen, verfluchen, um die Couch und zurück jagen. Ihnen das letzte Stück Kuchen wegessen und es auf den Hund schieben. Oder man kann sie, und hier spricht die private Erfahrung einer kleinen Schwester, als Test-Puppe für die neu erlernten Wrestling-Künste ausnutzen. Ja, so ein geschwisterlicher Bodyslam kann schon schmerzhaft sein. Da man aber noch mehr kann, nämlich einander helfen und aufbauen, ist es oftmals auch ganz schön, jemanden wörtlich verbrüdert an seiner Seite zu wissen. Die Geschwister Lucas haben sich früher bestimmt auch oft gestritten und einander den Kuchen gemopst. Vielleicht musste sich Dion auch oftmals den Attacken ihres älteren Bruders Shem ergeben. Aber auch hier gilt: Blut ist und bleibt dicker als Wasser. Und als schließlich ein guter Freund von Dion starb, war es Shem, der ihr wieder auf die Beine half.

So spielte er also auf seiner Gitarre, während Dion sich Wut, Trauer und Frust von der Seele schrieb und sang. Eines Tages nahmen die beiden ein paar der so entstandenen Songs auf und stellten sie ins Internet. Eine wahre Welle der Geheimtipps suchte diverse Blogs heim, Streams wurden weitergeleitet, bis sich irgendwann eine Plattenfirma bei den beiden meldete. So kam es nicht nur zur Band namens Good Weather Girl, die sich nach wie vor nur aus Dion und Shem Lucas zusammensetzt, sondern auch zu deren Debütalbum "Boon", für das sich kaum unterschiedlichere Definitionen finden lassen könnten. "Boon" ist traurig und fröhlich, in die Zukunft blickend und für immer in einem Loch verkriechend, es geht um das Leben und um den Tod. Um die Liebe und - nein, nicht Hass, um Wut. Es ist aufwühlend und beruhigend zu gleich, und Dion Lucas singt einerseits so zerbrechlich zart wie ein Engel und an anderer Stelle gestärkt und direkt an den Hörer herantretend.

Dass sie das Album mit dem kratzig klingenden Demo "Don't worry" beginnen, dem gleich darauf die Albumversion folgt, könnte eine Spur Naivität vermuten lassen. Viel eher aber weisen sie damit nur auf die eigene künstlerische Entwicklung hin. Die verträumt-kindliche, manchmal wackelige Stimme mit dem einen oder anderen Aussetzer im Original und das Kichern am Ende sind dem festen Selbstbewusstsein in der Stimme einer Frau gewichen, die Musik eigentlich nie auf dem Plan hatte. Um so erstaunlicher, dass der Gesang der 22-Jährigen derart gut funktioniert. Ob von Streichern umgeben und herausfordernd wie auf "Black coffee day", langsam steigernd wie "Justine" oder gar um das vertonte Lagerfeuer schunkelnd wie auf "Friends just say": Immer wieder schafft sie es, die von ihr erwünschte Stimmung genau auf den Punkt zu bringen. Zum Schluss dann, bei "Gordon's song" - und wer Gordon ist, wird hier recht schnell klar -, ist es neben allerlei verquer spielenden und hektischen Instrumenten immer wieder Shem Lucas an der Gitarre, der gleichbleibend durch den instrumentalen Wirbelwind unterstützend zur Seite steht, wie es große Brüder eben tun - und das ist das verlorene Stück Kuchen mit Sicherheit wert.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Summer's here again
  • Black coffee days
  • Innocence
  • Gordon's song

Tracklist

  1. Don't worry (Original Version)
  2. Don't worry
  3. Summer's here again
  4. Charlie's house
  5. Black coffee days
  6. Lions & lovers
  7. Justine
  8. Sailors at sea
  9. My bicycle
  10. I haven't seen Paris
  11. Neon coloured town
  12. Friends just say
  13. Innocence
  14. Gordon's song

Gesamtspielzeit: 34:22 min.

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