Carolina Liar - Coming to terms

Carolina Liar- Coming to terms

Atlantic / Warner
VÖ: 26.03.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Der nette Chad

6 aus 49. Minuten, wohlgemerkt. In denen wächst das Debüt von Carolina Liar grandios über sich hinaus und kommt dem Blauen vom Himmel erstaunlich nahe. In den restlichen 43 Minuten bleibt "Coming to terms" allerdings auf dem Boden der Tatsachen und wandelt dort auf altbekannten Pfaden. Oder um doch noch den Bogen zum Lotto zu kriegen: Hier wurde ohne Zweifel ein Systemschein ausgefüllt - denn dieses Album überlässt rein gar nichts dem Zufall. Die Songs sind so minutiös durchgeplant wie der Arbeitstag eines Top-Managers. Man könnte auch sagen: Wie direkt aus dem Klassenarbeitsheft eines Popakademie-Musterschülers. So müssen Songs in der Theorie aussehen. Aber in der Praxis? Immerhin setzt Lügenbaron Chad Wolf nicht nur auf Hitpotenzial, sondern pflegt auch die Tugend der Freundlichkeit. Der Sound ist radiofreundlich, die Refrains sind gedächtnisfreundlich, die Kompositionen magenfreundlich. Echt nett, der Chad.

Nett, war das nicht der kleine Bruder von...? Nein, so genau wollen wir das jetzt gar nicht wissen. Denn in Chads Biographie gibt es wirklich viel Interessanteres zu entdecken: Er war daheim in Los Angeles mal Komparse in einem Celine-Dion-Video, außerdem Praktikant bei Powerballaden-Queen Diane Warren, und "Coming to terms" hat er in Schweden aufgenommen - unter der Aufsicht von Mega-Produzent Max Martin. Deswegen kann man "Done stealin'" jetzt auch nur unter größten Anstrengungen von den Songs des letzten Backstreet-Boys-Albums unterscheiden. Geschrieben hat Chad die 13 Lieder aber alle selbst - auch wenn ihm bei jedem Stück mindestens ein Co-Autor zur Seite stand. Meistens war das Tobias Karlsson, der Gitarrist seiner in Stockholm rekrutierten Band. Aber auch Produzent Martin ließ es sich nicht nehmen, hier und da mitzumischen. Ebenso Peter Svensson von den Cardigans, der "Something to die for" und "When you are near" aber bedauerlicherweise nicht zur Überdurchschnittlichkeit verhelfen konnte.

Die grandiosen sechs Minuten verteilen sich auf das überragende "California bound" und auf die zweite Hälfte der Single "Show me what I'm looking for", die es schafft, "Save me / I'm lost / Oh Lord, I've been waiting for you" von einem Gospelchor singen zu lassen, ohne dass es kitschig, pathetisch oder klischeehaft klingt. Ein wahres Kunststück! Weniger erquicklich ist der New-Wave-Verschnitt "Last night", der sich seine Synthies offenbar vom Sperrmüll der Killers geholt hat und dann auch noch die Zeile "You bragged about your hits on MySpace" vom Stapel lässt. Da hätte Chad doch besser "nanana" oder "lalala" gesungen, was er schließlich auch sonst sehr gerne und ausgiebig macht - wie "All that sh** is gone", der Titeltrack "Coming to terms" oder das verdächtig nach U2 klingende "Beautiful world" beweisen. Ausgerechnet der tadellose Opener "I'm not over" beginnt mit den Worten "What a waste of time", was so nun wirklich nicht stimmt. Und das ist noch nicht einmal gelogen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Show me what I'm looking for
  • California bound

Tracklist

  1. I'm not over
  2. Coming to terms
  3. Last night
  4. Show me what I'm looking for
  5. Simple life
  6. All that sh** is gone
  7. California bound
  8. Done stealin'
  9. Something to die for
  10. Beautiful world
  11. Better alone
  12. When you are near
  13. Battlefields

Gesamtspielzeit: 49:00 min.

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