Lostprophets - The fake sound of progress

Lostprophets- The fake sound of progress

Visible Noise / Columbia / Sony
VÖ: 29.10.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Lost and found

Die beschauliche kleine Nation Wales machte sich im nichtinsularen Ausland in der Vergangenheit durch exakt drei Errungenschaften bekannt: Durch international hoffähige Musik von Bands wie den Stereophonics oder den Manic Street Preachers. Durch unaussprechliche Landessprache inclusive dem längsten Ortsnamen der Welt "Llanfairpwllgwyngllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch". Und zu guter Letzt durch die Fußball-Nationalmannschaft, deren große Stunde genau einmal alle paar Jahre schlug, wenn sie den großen, arroganten Deutschen auf dem Cardiffer Kartoffelacker ein 1:1 abluchsen konnte.

Während sich an letztgenanntem Phänomen in naher Zukunft trotz Tante Käthe wohl kaum etwas ändern wird, soll zumindest die musikalische Komponente um eine namhafte Band erweitert werden: Die Lostprophets schicken sich an, ihren für ein großes Publikum wie geschaffenen "fake sound of progress" in die Welt hinauszutragen. Aus Trendsportart New Metal und Trendsportart Emo wird ein zuckersüßer Pudding gequirlt und mit Cocktailkirschen aus HipHop und Breakbeat garniert. Würden sich die Lostprophets nicht in Interviews ausdrücklich von Linkin Park & Co. distanzieren und ihr Soundgemisch nicht derart authentisch aus dem Ärmel schütteln - man könnte sie guten Gewissens über den Kommerz-Kamm scheren. Als bestes Beispiel dient das hitverdächtige "For sure": Wer es wagt, einen Song ohne mit der Wimper zu zucken mit einer derart banalen Akkordfolge zu eröffnen, ist entweder Blink 182 oder brilliant.

Auch bei den Lostprophets liegt letztendlich wie so oft die Wahrheit irgendwo dazwischen. Denn mit billigen Furzwitzen, noch billigeren Kalauertexten und Melodien vom Grabbeltisch haben die sechs Waliser nicht das geringste am Propheten-Hut. Doch auch die wahre Genialität beschränkt sich mit dem besagten "For sure", dem Titelsong sowie der ersten Single "Shinobi vs. Dragon Ninja" auf wenige Songs. Auch wenn letztgenannter Song ein Killerriff auspackt und mit einem messerscharfen Refrain schamlos zusticht, mangelt es über weite Strecken an Entschlossenheit und der passenden Stimme. Wenn schon versucht wird, Incubus-Frontmann Brandon Boyd bis ins kleinste Detail zu imitieren, sollte doch auch wenigstens dessen Ausdrucksstärke aufs Parkett gebracht werden. Zumindest aber gilt es, die Band im Auge zu behalten. Denn spätestens, wenn Olli Kahn das nächste Ei ins Nest gelegt bekommt, könnten die Lostprophets richtig groß sein.

(Armin Linder)

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Highlights

  • The fake sound of progress
  • For sure

Tracklist

  1. Shinobi vs. Dragon Ninja
  2. The fake sound of progress
  3. Five is a four letter word
  4. ...and she told me to leave
  5. Kobrakat
  6. The handsome life of swing
  7. A thousand apologies
  8. Still laughing
  9. For sure
  10. Awkward
  11. Ode to summer

Gesamtspielzeit: 49:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dan
2008-03-22 11:05:16 Uhr

ich glaub du übertreibst ^^
chad
2008-03-22 10:54:00 Uhr
Die Harmonie der einzelnen Elemente eines jeden Tracks machen die Scheibe erst so gut. Vor Allem ist die Idee, harten Sound mit schönem und klarem Gesang zu kreuzen, fast schon revolutionär und noch nie in dieser Art aufgegriffen worden.
vomsk
2007-12-29 00:08:40 Uhr
Ich finde auch, dass das Poppige der letzten Platte sehr gut zu denen passt. Schade eigentlich, dass sie sich jetzt wieder einem "dunkleren" Sound zuwenden wollen. Songs der Marke "Can't Catch Tomorrow" hätt ich auch gerne noch ein zweites Mal hören können.
jo
2007-12-27 20:24:34 Uhr
Eben. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt ;).

Da passt eher 'A Town Called Hypocrisy' als Beispiel - und das ist doch was Feines.
'Goodbye Tonight' oder 'A Million Miles' von 'Start Something' waren auch sehr schön. Natürlich auch das 'Reptilia'-Cover ;).
eric
2007-12-27 20:05:25 Uhr
"Everybody's screaming" ist aber wirklich ganz schlecht. Aber sicher nicht repräsentativ für die Platte.
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