Jónsi - Go

Jónsi- Go

XL / Parlophone / EMI
VÖ: 02.04.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gute Kinderstube

Weil in es Island nach dem abgewendeten Staatsbankrott wieder angesagt ist, Kinder in die Welt zu setzen, machen natürlich auch Sigur Rós mit. Schließlich benannte sich die Band nach Jón "Jónsi" Þór Birgissons kleiner Schwester, die am Tag der Gründung das Licht der Welt erblickte. Birgissons sexuelle Orientierung steht zwar der herkömmlichen Fortpflanzung im Weg, aber wozu ist Mann schließlich Künstler? Also folgt in der Babypause nicht nur "Riceboy sleeps", Birgissons Projekt mit seinem Lebensgefährten Alex, sondern auch Jónsis höchst eigener Nachwuchs: Er hört auf den knappen Namen "Go".

Niemand muss sich Sorgen darüber machen, dass Jonsí sich mit neu entdeckter Elektronik und neckischen Songideen aus dem Staub macht und die Band auseinanderfällt. Nicht nur das gehauchte Falsett gemahnt immer wieder an Sigur Rós, auch bei den in Glückseligkeitsgeysiren badenden Arrangements braucht es keine DNA-Tests, um die Abstammung zu belegen. Den lustig polternden Schwung hat sich "Go do" dermaßen von den überschwänglichen Momenten von "Með suð í eyrum við spilum endalaust" abgeschaut, dass man sich selbst im Småland abgeben will, um das hüpfend zu feiern. Und natürlich lässt Jónsi danach mit den herrlich zerfließenden Mollakkorden von "Grow till tall" und "Kolniður" die Sterne über dem Himmelbettchen glitzern.

"Go" kombiniert also Jonsís Entwicklungsstufen als Sigur Rós' Vordenker: Das ausufernd romantische Stillstehen und die frech vorwärts stolpernde Überspanntheit vertragen sich auch bei höherer Grundgeschwindigkeit hervorragend, die zunehmende Fütterung mit synthetischer Brause passt sogar noch besser. Zwar sollten Menschen mit Kitschallergie "Go" weiträumig umfahren, aber etwas so Wunderbares wie Musik wurde damals eben nicht für gefühlskalte Roboter erfunden, als die ersten beiden Urmenschen im Takt auf Steine einschlugen und fröhlich dazu grunzten.

Jónsi ist da natürlich sanfter: Immer wieder schubst er behutsam die Schaukel an, damit "Go" ein einziges Hin und Her zwischen anmutigem Wehklagen und gekitzeltem Kichern wird. Das schillernde Tirilieren der Bläser und Streicher, das "Around us" aufscheucht und "Sinking friendship" in den Arm nimmt, macht den Zuhörer zum frech grinsenden Honigkuchenpferd. Bei "Animal arithmetic" mischt offensichtlich der Klapperstorch mit, das Kinderlied ist nicht weit. Und wenn am Ende ein herzzerreißendes Wiegenlied wie "Henglías" verklungen ist, ist die Welt eine bessere. Wenigstens für den kleinen, silbrig glänzenden Hosenscheißer, der gerade so lustig mit dem Laserstrahl gespielt hat.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Go do
  • Boy lilikoi
  • Kolniður
  • Grow till tall

Tracklist

  1. Go do
  2. Animal arithmetic
  3. Tornado
  4. Boy lilikoi
  5. Sinking friendships
  6. Kolniður
  7. Around us
  8. Grow till tall
  9. Hengilás

Gesamtspielzeit: 40:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
The Triumph of Our Tired Eyes
2011-01-06 21:47:49 Uhr
Für mich auch eher enttäuschend. Mehr tiefdunkle Nacht, weniger Kinderzimmer bitte.
Biba Butzemann
2011-01-06 21:42:31 Uhr
Du hast sie ja wohl nicht alle ;)

Bestes 2010
DerMeister
2011-01-06 21:29:26 Uhr
Ich habe es zum enttäuschendsten Album von 2010 gewählt.
Oliver Ding
2011-01-06 21:26:49 Uhr
Es ist ein Album zu Ankuscheln.
bernhard.
2010-11-08 03:14:06 Uhr
richtig. im taumel der gefühle ist es mir nachzusehen ;)
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