Serj Tankian - Elect the dead symphony

Serj Tankian- Elect the dead symphony

Reprise / Warner
VÖ: 12.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Drama, Baby!

Für Serj Tankian waren die Grenzen der Rockmusik - oder zumindest die seiner nach wie vor offiziell pausierenden Hauptband System Of A Down - schon immer zu eng gesteckt. Spätestens der Sampler zur "Axis Of Justice concert series", auf dem er mit dem Genossen Tom Morello die unterschiedlichsten Musiker zusammenbrachte, zeigte überdeutlich, dass der Begriff "Tellerrand" im tankianschen Wörterbuch nicht existiert.

Dass Tankian sein Solo-Album "Elect the dead" komplett auf Orchesterbegleitung anpasst und gar die Partitur komplett selbst baut, scheint jedoch selbst für seine Verhältnisse mutig. Wir erinnern uns: Metallica sind mit der Idee kläglich gescheitert, das "Concerto for group and orchestra" von Deep Purple ist eine Symphonie, bei der Deep Purple freundlicherweise mitmachen dürfen, und von sämtlichen unsäglichen "Rock meets classic"-Platten wendet man sich ohnehin besser gleich mit Grausen ab.

Doch umgehend wird klar, dass genau dies der geniale Schachzug Tankians ist. Das auf über sieben Minuten gewachsene "Feed us" ist eine formvollendete Ouvertüre zu erstaunlichen 55 Minuten. So schüchtern, wie Tankian auf der mitgelieferten DVD der Special Edition zu Beginn am Bühnenrand steht, gewinnt er anschließend an Sicherheit. Und während er das Orchester erstmals bei "Sky is over" in voller Mannschaftsstärke schmettern lässt, zeigt Tankian gerade zum Finale des Songs großartiges Stimmvolumen. Da darf er dann sogar beim seltsam musicalhaften "Lie lie lie" ungestraft vor sich hinknödeln.

Ob nun das Orchester bei "Money" in furiosem Fortissimo komplett ausrastet oder Tankian das bislang unveröffentliche "Gate 21" alleine mit Klavier bestreitet, die Bandbreite ist immens. Selbst "The charade" aus dem Programm von Axis Of Justice kommt zu verdienten Ehren, bevor der Dirigent höchstselbst "Beethoven's cunt" ansagen darf. Einzig "Empty walls" wirkt etwas zahnlos, ansonsten dominiert großes Drama: Takian interpretiert in weißem Anzug und wie aus dem Ei gepellt mit ausgebreiteten Armen würdevoll umarrangierte Songs, die mit zunehmendem Abstand zu System Of A Down immer reifer werden. Eine Reunion, von Bassist Shavo Odadjian unlängt scherzhaft per Twitter angekündigt, würde diesen mittlerweile grenzenlosen Künstler momentan nur einengen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Feed us
  • Sky is over
  • Elect the dead

Tracklist

  1. Feed us
  2. Blue
  3. Sky is over
  4. Lie lie lie
  5. Money
  6. Baby
  7. Gate 21
  8. The charade
  9. Honking antelope
  10. Saving us
  11. Elect the dead
  12. Falling stars
  13. Beethoven's cunt
  14. Empty walls

Gesamtspielzeit: 55:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
facepalmer
2010-03-27 15:00:47 Uhr
Doppelganger
2010-03-27 14:58:07 Uhr
Das reguläre Album gibt einfach nicht viele gute Songs her. Die wenigen Higlights (Money, Empty Walls) klingen mit dem Orchester richtig stark und stimmlich ist das sensationell.
Tama
2010-03-26 19:24:30 Uhr
Mir hat das Album auch nie wirklich gefallen, aber was ich bisher von der Symphony-Platte hören konnte war wirklich toll!

Aber ja, die Magie von SOAD entsteht im Zwischenspiel zwischen Malakian und Tankian. Das fehlt hier leider schon irgendwie.

Dennoch alles andere als schlecht!
Arno Nym
2010-03-26 18:38:05 Uhr
Jap ich gehe sogar soweit und sage, dass das Album schwächer ist als Elect the Dead.

Gerade die von embele angesprochenen Gegenpole fehlen mir hier ganz deutlich. Das Album ist zwar konsequent nicht schlecht, aber ich fand es beim Hören einfach unglaublich belanglos.
embele
2010-03-26 18:34:59 Uhr
Bonzo hat schon Recht. Ich habe versucht, mir die Songs "schön-zu-hören", aber bis auf das ich nach wie vor von seiner Stimme total begeistert bin, ist mir nicht soviel in Erinnerung...
Da fehlt einfach der kreative Gegenpol, bzw. Gegenpole, die Musik ist halt nicht so abwechslungsreich wie bei System of a down.
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