Okieson - Cupboard full of things

Okieson- Cupboard full of things

Elektrograph / G / Intergroove
VÖ: 26.03.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Gegen den Bindestrich

In Zeiten der Fleet Foxes, Bonnie 'Prince' Billys oder Animal Collectives haben Bindestriche bekanntlich Hochkonjunktur. All das "Anti-", "Alternative-", "Noir-" "Dark-", "Freak-" und/oder "Neo-" steht dabei für die weltumspannende Anschlussfähigkeit eines Stils, der in den amerikanischen oder gar irischen Originalen seit Jahrzehnten in seiner eigenen dicken Soße zu versinken droht. Dass man im Folk aber durchaus noch oben schwimmen kann, beweisen unter anderem Okieson aus den - ausgerechnet - Niederlanden. Zwar führen sie in der Selbstbetrachtung gleich alle Komposita auf einmal, letztlich ist ihr Debüt "Cupboard full of things" aber durchtränkt mit nachgerade klassischem Country, Blues und Americana. Aber eben auch mit ebensoviel Ehrgeiz wie Leidenschaft.

Es ist schon eine Ohrenweide, wie Sebastiaan van Bijlevelts Stimme auf den Vokalen immer wieder ins so typische Grollen, Nölen und Näseln gerät. Wie er "stooo-o-oove" herausheult, wie er "nite" nach hinten heraus abhackt oder "years" in Betonung und Klangfarbe herabpurzeln lässt. Wie sein Timbre aber gleichzeitig zu gütig und warm ist, um die echten, unheimlichen Tiefen zu durchschreiten. Hochwillkomen ist auch der Instrumentenreichtum, mit dem "Sittin' in the sun" seinen Western-Vibe zunächst mit Streichern zerwimmert, um dann die Crooner-Trompete große, verhuschte Konter fahren zu lassen. Ebenfalls bemerkenswert, wie souverän es bei "Fix me up" und "Write it down" über die Sechs- und Viersaiter, die Dobros und Pedal-Steels schreddert, pickt, klampft und slidet. Oder dass Okieson auch den Clapton-Rock nie vergessen, allerdings aus der Hüfte ihrer Arrangements punktgenau abschießen. Doch damit nicht genug.

Ganz prima, wie der Titelsong ganz unten bleibt bei einigen grundentspannten Pickings, Mundharmonikas, Orgeltupfern, Delays und Slides. Und wie die stereotype, detailverliebte Beschreibung eines Morgenrituals zunächst mit dem Ultraklischee "I pick up my guitar" abschließt, um postwendend zu antworten: "Soon there'll be war all over / A boy will meet a girl / Of course the hero will prevail / Man, where are all the secrets in a cupboard full of things?" Selbstironie als Ausweg aus der Selbstzitation - während die Musik zu einem hymnischen Halligalli anschwillt und im folgenden "Good friend" die Streicher zu tiefen Paukenschlägen doch wieder derart munter und klagend kommunizieren, als habe dieser reinigende Nieselregen alle Zweifel weggewaschen. Der Hörer darf beipflichten: Ja, das hat geklappt.

All das mag unbedingt gemocht werden - oder eben auch nicht. Beachtens-, gar bewundernswert sind aber die Sorgfalt und die Energie, mit der Okieson ihren Traditionalismus abfeiern und ihm zugleich Feuer unterm Podex machen. Selbst wenn sie sich dabei auch ab und an die Finger verbrennen, so kraulen sie trotz Brandblasen doch noch ungemein selbstbewusst durch ihre dicke Soße aus Country, Blues und Americana. Musik nicht vor oder hinter dem Bindestrich, sondern gegen ihn. Und das ist im Zweifel ja immer noch die richtigere Entscheidung.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Fix me up
  • Cupboard full of things
  • Good friend
  • Write it down

Tracklist

  1. Fix me up
  2. Small house
  3. Trees
  4. Sittin' in the sun
  5. Cupboard full of things
  6. Good friend
  7. Great coverup
  8. Alienation
  9. Write it down
  10. Interlude #001
  11. Two blue chairs

Gesamtspielzeit: 48:18 min.

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