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Pulp - We love life

Pulp- We love life

Mercury / Universal
VÖ: 22.10.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Der englische Garten

Nach drei Jahren taucht Jarvis Cocker, exzentrischer Pulp-Frontman und Elder Statesman der britischen Popmusik, endlich wieder im Rampenlicht auf. Nachdem die ersten Aufnahmen zu "We love life" mitsamt dem Pulp-Stammproduzenten wegen Nichtgefallens komplett verbannt wurden, nahm das neue Werk erst mit Scott Walker an den Reglern Gestalt an. Einen "Akt der Selbstreinigung", so Cocker, stelle das siebte Album der Band dar. Das Licht am Ende des Tunnels aus Glamour und Dekadenz, in dem man sich verfangen habe. Mit Sex, Drugs & Rock'n'Roll scheint Cocker also abgeschlossen zu haben - auch ein Popstar wird schließlich mal alt.

Schon auf dem großartigen Vorgänger "This is hardcore" verabschiedete sich Cocker von der Welt der Stars und Sternchen und zog sich ins Private zurück, um seiner Angst vor dem Älterwerden freien Lauf zu lassen. Dieses Mal reduziert er sich noch mehr auf das Wesentliche und begibt sich direkt in den Schoß von Mutter Natur. Die Songtitel machen Cockers Absicht, seinen Seelenballast biologisch abzubauen, mehr als deutlich - er singt über Bäume ("The trees"), Gräser ("Weeds") und Vögel ("The birds in your garden"). Pulp tragen jetzt also dem grünen Punkt.

Die Vorstellung von Großstadt-Partykönig Jarvis Cocker als Waldschrat, der mit Jesuslatschen nachdenklich über grüne Wiesen wandelt ist abstrus, entspricht aber nach eigenen Aussagen der Wahrheit. Daß er dabei nicht nur über idyllische Felder gestolpert ist, sondern auch desöftern an dunklen Moorgruben vorbeigekommen ist, wird in seinen Textzeilen mehr als deutlich. So scheint denn auch der launige Albumtitel mehr Wunschdenken als Realität zu sein. Gerade in der Natur wird schließlich tagaus, tagein gekämpt, gelitten und gestorben. Der Brückenschlag zu zerbrochenen Liebesbeziehungen und unglücklichen Kindheitserinnerungen liegt da nahe. Zeilen wie "Mum & Dad have sentenced you to life" ("I love life") zeigen dann umso klarer, daß der gute Jarvis seinen inneren Frieden wohl doch noch nicht so ganz gefunden hat.

Griffigen Ohrwürmern á la "Disco 2000" haben Pulp 2001 fast gänzlich abgeschworen. Stattdessen setzen sie auf folkige Popsongs, die durch filigrane Melodiebögen und ausgefeilte Arrangements bestechen sollen. Trotz des naturalistischen Ansatzes des Albums haben Pulp ihre neuen Stücke aber mit einer gehörigen Portion Bombast versehen, was den im Kern sehr fragilen Songs nicht wirklich gut tut. Zuweilen klingt Cockers Stimme unter der massiven Schicht von Streichern, Bläsern und Chorgesängen seltsam flattrig.

An der Fähigkeit, wunderschöne Songperlen aus den Ärmeln zu schütteln, kann dies jedoch nur bedingt rütteln. Songs wie "The trees", "Bad cover version" oder das bittersüße "The birds in your garden" sind Balsam für Ohr und Seele. Auch "Wickerman", einer der Schlüsselsongs des Albums, in dem Cocker den Hörer acht Minuten lang bis zum melodramatischen Finale auf einen Trip durch die städtische Kanalisation mitnimmt und dabei eine Liebesgeschichte aus Jugendtagen erzählt, vermag zu faszinieren. Zwar bleibt "We love life" auch von Ausfällen nicht verschont, aber fehlende Eingängigkeit wird durch lyrische Tiefe und musikalische Substanz weitgehend wettgemacht. Fragt sich nur, wohin Pulp nach dem Ausflug ins Grüne mit dem nächsten Album steuern werden. Ob sich Jarvis Cocker dann wohl "Outer space" auf Sinnsuche begibt? Inmitten der Natur war sein Glück jedenfalls nicht zu finden.

(Christof Nikolai)

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Highlights

  • I love life
  • The birds in your garden
  • Bad cover version

Tracklist

  1. Weeds
  2. Weeds II (The origin of the species)
  3. The night that Minnie Timperley died
  4. The trees
  5. Wickerman
  6. I love life
  7. The birds in your garden
  8. Bob Lind (The only way is down)
  9. Bad cover version
  10. Roadkill
  11. Sunrise

Gesamtspielzeit: 54:02 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26424

Registriert seit 07.06.2013

2020-08-01 18:02:02 Uhr
Locker. Mit dem Album im Sommer durch den Wald... perfekt.

kingsuede

Postings: 2428

Registriert seit 15.05.2013

2019-06-20 17:35:56 Uhr
Ist locker eine 8/10.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26424

Registriert seit 07.06.2013

2019-06-20 16:53:44 Uhr
Immer wieder schön im Frühling und Sommer... und sträflichst unterbewertet.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 26424

Registriert seit 07.06.2013

2014-02-27 19:01:27 Uhr
Auf jeden Fall die beiden Highlights, ja.

Huhn vom Hof

Postings: 3584

Registriert seit 14.06.2013

2014-02-27 18:22:33 Uhr
"We love life" ist deutlich besser als 6/10. "Sunrise" und "Wickerman" sind riesig.
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