Belle & Sebastian - Fold your hands child, you walk like a peasant

Belle & Sebastian- Fold your hands child, you walk like a peasant

Jeepster / EFA
VÖ: 05.06.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hinter dem Sonnenaufgang

Wie Arbeitstiere sehen Belle & Sebastian auf den wenigen freigegebenen Promo-Fotos ihrer Plattenfirma nicht gerade aus. Je nach Lust und Laune sieht man vier bis sieben Studenten gelangweilt in die Kamera glotzen, die oft genug nicht einmal zur Band zählen, sondern einfach nur Freunde und Bekannte der Band sind, die damit ihre "Fifteen minutes of fame" genießen.

Dennoch schafft es die Band aus Glasgow rund um Mastermind Stuart Murdoch, Jahr für Jahr neben diversen Wiederveröffentlichungen älterer Alben und EPs und diversen Nebenprojekten, auch eine neue Platte aufzunehmen. Daß die dadurch fehlende Zeit sich teilweise auf die Qualität des Songwritings schlagen kann liegt in der Natur der Sache. Waren auf dem ersten (nach dem erst kürzlich rereleasten Debüt "Tigermilk") offiziellen Album "If you are feeling sinister" noch durchgehend Pop-Hymnen im Stil von den Smiths und Simon & Garfunkel zu hören, so stellte der Nachfolger "The boy with the arab strap" trotz seines immer noch unwiderstehlichen Charmes streng genommen nicht mehr als einen schlechten Abklatsch davon dar. Auf dem neuen Album "Fold your hands child, you walk like a peasant" ist schließlich nicht mehr viel von all dem übergeblieben, was Belle & Sebastian einst ausmachte.

"The wrong girl / The wrong kind / The wrong hand to be holding" - die Kritikerlieblinge setzen diesmal auf das falsche Pferd. Wo früher neben dem großartigen Songwriting in erster Linie die Spontanität überzeugte, setzt man nun mehr denn je auf ausgeklügelte Arrangements. Je mehr Mitglieder zu der Band stießen, desto leiser und und glattgebügelter (wie in "I fought in a war") entwickelte sich der Sound. Die Instrumentierung erinnert nunmehr an Bands wie die Tindersticks oder Lambchop, und wo die Bläserfraktion und Streicher früher noch nettes Beiwerk waren, dominieren sie jetzt viel zu oft den Song und nehmen jedwede Schärfe. Die ohnehin schon süßen Lieder werden so endgültig überzuckert, lassen sie oberflächlich und austauschbar klingen und erinnern in den schlimmsten Momenten sogar an Fahrstuhl- oder Einkaufsmusik. Musik für den Hintergrund, deren einziger Sinn es ist, die schreckliche Stille zu bekämpfen.

Natürlich gibt es auch Positives zu berichten, eine in so geballter Ladung vorhandene Genialität wie bei Belle & Sebastian ist schließlich nicht so leicht kleinzukriegen. Auf Cuts wie "Don't leave the light on baby" oder "Women's realm" ist immer noch der alte Charme vorhanden, die kindliche Unschuld und luftige Leichtigkeit im Songwriting, die Belle & Sebastian seit jeher aus der Masse herausheben. An vielen Stellen ist also doch noch allgegenwärtig, daß die Truppe um Stuart Murdoch in erster Linie im Dienste der Komposition arbeitet und das Arrangement das passende Mittel zum Zweck ist, um das Klangbild zu unterstreichen und zu umschmeicheln.

Trotz der gestellten Oberflächlichkeit sollte man sich viel Zeit nehmen für diese Platte und sein möglichstes tun, um hinter die Kulissen der gekleisterten Songs zu blicken. Denn hinter dem Sonnenaufgang ("Beyond the sunrise") gibt es einiges zu entdecken. Am besten, man nimmt sich für einen verregneten Sonntag nachmittag nichts vor, schließt alle Fenster und dunkelt das Zimmer ab ("Don't leave the light on baby"), um die subtile Schönheit zu erkennen und ohne sich ablenken lassen von der ach so lauten und grausamen Welt da draußen.

(Thomas O. Huber)

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Highlights

  • Don\'t leave the light on baby
  • The wrong child
  • Women\'s realms

Tracklist

  1. I fought in a war
  2. The model
  3. Beyond the sunrise
  4. Waiting for the moon to rise
  5. Don't leave the light on baby
  6. The wrong child
  7. The chalet lines
  8. Nice day for a sulk
  9. Women's realm
  10. Family tree
  11. There's too much love

Gesamtspielzeit: 40:51 min.

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