Eagle Seagull - The year of the how-to book

Eagle Seagull- The year of the how-to book

PIAS / Rough Trade
VÖ: 26.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf dem Blutpfad

Arcade Fires "Funeral" war der konzedierende Trauermarsch. Ein Album, das das letzte Fünkchen Hoffnung in Schall und Wahn übersetzte und dabei mehr als nur ein Tränenmeer im Knopfloch trug. Gut ein Jahr später präsentierte die erste LP von Eagle Seagull die entsprechende Wiederauferstehung. Emphatisch und hymnisch - der vertonte Phönix aus der Asche. Die Songs versprühten den Charme entlegener Choräle, die die eigene Reinkarnation mit einem lachenden und einem weinenden Auge bewerteten. Denn dort unten, wo es heiß und dunkel, tief und stickig ist, da war es auch recht komfortabel. Zumindest konnten einem dort die Engel nicht auf den Zeiger gehen.

Nach einer langen Wartezeit von vier Jahren, erscheint nun das Zweitwerk der US-Amerikaner. Das sinnstiftende Sternchen im Bandnamen haben sie über Bord geworfen. Doch wer nun meint, sie hielten es mit Panic At The Disco, die ihr Ausrufezeichen für eine Handvoll Beatles-Melodien veräußerten, liegt falsch. Hier wird nicht an Zynismus gespart, verpackt in sloganhafte Texte und Songtitel, für die selbst Tocotronic in den Neunzigern all ihre Adidasjacken und The-Fall-Alben verscherbelt hätten. Die Melodien auf "The year of the how-to book" sind dabei stets ergreifend, beinahe poppig. Nichtsdestotrotz behalten Eagle Seagull ihre zierliche Sprödheit, die sich wie ein roter Blutpfad durch das ganze Album zieht. So müssen die tollen Spoon auf einer Überdosis Blütenstaub klingen.

"I'm sorry, but I'm beginning to hate your face" und "The boy with a serpent in his heart" gefallen in ihrer schieren Dynamik, dem schlanken Gitarrenspiel, dem Poltern der Drums und der immer etwas zu hoch klingenden Stimme des Frontmannes Eli Mardock. Zu Beginn des schmeichelnden "Coming of the plague" tänzelt ein filigranes Piano durch das Szenario, verheddert sich dann aber im Kabelgestrüpp der E-Gitarren, stürzt über die gelenkigen Drums und wird schlussendlich vom Sound der Saiteninstrumente übermannt. Im wunderbar eklektischen "Twenty thousand light years" hingegen verkündet Mardock mit Stolz geschwellter Brust "We have the means to cure diseases / We have the means to end all wars", nur um daraufhin diabolisch lachend die Weltuntergangsparty zu beschließen: "But we didn't come to save the planet, no! / We just came to dance." Eagle Seagull beweisen mit diesem Song, zugleich die erste Single, dass ihnen auch das Emblem "Tanzband" gut zu Gesicht stünde, wären sie nicht so grandios von ihrer eigenen Unberechenbarkeit besessen.

"The year of the how-to book" erweist sich als adäquater Thronfolger des Debüts. Eagle Seagull pfeifen auf die obsoleten Vergleiche mit anderen Bands, setzen auf ihre Stärken und können sich damit von jedwedem Vorwurf der Innovationslosigkeit freischwimmen. Eagle Seagull im Jahr 2010: weitgereiste Kaufleute, die aus den Städten vertrieben werden, nur um mit brennenden Fackeln und Konfettikanonen zurückzukehren. Als Ausdruck ihrer eigenen Interpretation von Misanthropie: bunt, einladend und augenzwinkernd.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • The boy with a serpent in his heart
  • Twenty thousand light years
  • Coming of the plague

Tracklist

  1. You're the reason why I'm afraid to die
  2. I'm sorry, but I'm beginning to hate your face
  3. You can't call yourself a secret
  4. I don't know if people have hated me, but I have hated people
  5. I don't know if this is ignorance or transcendence
  6. The year of the how-to book
  7. The boy with a serpent in his heart
  8. Twenty thousand light years
  9. We move like turtles might
  10. I don't believe in wars, but I do believe in uniforms
  11. Coming of the plague
  12. Thanks to all

Gesamtspielzeit: 54:55 min.

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