Brothers Of End - The end

Brothers Of End- The end

Konjaga / Playground / Edel
VÖ: 19.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Drei Männlein stehen im Walde

Man muss es nicht erwähnen. Es ist nicht relevant. Nicht für dieses Album, das für sich und nicht eine Sekunde neben sich steht. Höchstens neben Midlake, The Band oder Crosby, Stills, Nash & Young in dem einen oder anderen gut sortierten Plattenregal. Aber ganz ehrlich: Auch diese Referenzen muss man nicht erwähnen. Die hört man sowieso. Und auch, dass hier höchstens eine feingeistige Verwandtschaft besteht, aber keine Fälscherbande am Werk war. Obwohl Brothers Of End auch prima falsche Tatsachen vortäuschen können: Sie sind nämlich überhaupt keine Brüder. Aber hat das gemeinsame Durchstehen einer großen Herausforderung nicht auch etwas Verbrüderndes, gilt das nicht ebenso, wenigstens so halb? Klar. Erst recht, wenn es sich dabei um die Pubertät handelt. Die erlebten Mattias Areskog, Lars-Olof Johansson Ståle und Bengt Lagerberg gemeinsam in Jönköping, brachten sich gegenseitig bei, wie man diverse Instrumente spielt,und verloren sich dann irgendwann aus den Augen.

Na gut, das stimmt nicht ganz - nur Areskog kam seinen beiden Jugendfreunden abhanden. Er zog in eine andere Stadt und wurde Journalist, spezialisiert auf ökologische Themen. Der Musik blieb er trotzdem treu und zupfte hin und wieder den Bass - für Friska Viljor, Anna Ternheim, Frida Hyvönen oder auch Peter Morén. 2007 traf er dann auf einem Festival überraschend Ståle und Lagerberg wieder - im Backstage-Bereich, denn zufällig traten alle drei dort auf. Areskog mit Marit Bergman, die anderen beiden mit einer weitaus bekannteren Band, deren Namen man ruhig weiterhin unerwähnt lassen kann. Denn viel wichtiger ist, dass an jenem Abend beschlossen wurde, wieder gemeinsame Sache zu machen - wie einst in Jönköping. Nur dieses mal mit etwas weniger Pubertät und etwas mehr Popularität. Aber immer noch in allerbester Do-it-yourself-Manier: Ihr Debüt "The end" wurde im Proberaum eingespielt, von der Band selbst produziert und auf ihrem eigenen Label Konjaga veröffentlicht. Es klingt nach sternenklarer Entschleunigung, nach nostalgischem Naturburschentum und romantischem Wildwuchs in ländlicher Idylle. Wie gesagt: Areskog ist Spezialist für ökologische Themen.

Wie dieses Album aus der Ferne herbeischwebt, gleicht dann auch schon einem kleinen Naturwunder. Und noch bevor man grübeln kann, wie es bloß den weiten Weg aus den frühen Siebzigern oder gar späten Sechzigern zurückgelegt hat und trotzdem so tiefenentspannt wirkt, ist man mittendrin - im schwelgenden Harmoniegesang, in süffigen Gitarrenakkorden und sich augenblicklich ins Ohr eingravierenden Melodien. "Why", "Big bird" und "Too late" sind Folkrockperlen direkt aus dem Zauberwald - mal etwas sanfter, mal etwas zünftiger, mal mit Piano-Akzenten, aber immer in sich schlüssig, immer in sich ruhend und in sich versunken. Dass Harry Nilsson den Schweden angeblich auch eine Inspiration war, hört man zumindest dem köstlichen, von dezenten Streichern umsäumten Fernsehserien-Duell "FC vs. Dynasty" an, das vor allem wegen eines umwerfend lakonisch betonten "yeah" im Gedächtnis bleibt. "Beats for you" merkt man sich hingegen, weil es das einzige der elf Stücke ist, bei dem man ansatzweise von Tempo sprechen kann. Und weil es tatsächlich Beats zu bieten hat. Und sonst? Wird einem hier bei ausnahmslos jedem Lied warm ums Herz - die Strickjacken kann man also getrost zu Hause lassen. Sind mit Ståle und Lagerberg ja sowieso schon zwei Cardigans dabei. Und eines dürfte klar sein: "The end" ist erst der Anfang.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Why
  • Big bird
  • Too late
  • FC vs. Dynasty

Tracklist

  1. Why
  2. Big bird
  3. Too late
  4. Believe
  5. What's wrong with that
  6. FC vs. Dynasty
  7. Misbehaving
  8. Beats for you
  9. Gold
  10. Wish
  11. Scaldabagno

Gesamtspielzeit: 44:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
XY
2010-03-27 18:16:30 Uhr
;)
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-03-27 18:10:11 Uhr
The Paper Chase höre ich da jetzt zwar nicht wirklich heraus, aber empfehlen kann man diese tolle Band allemal.

Zum Album: Klingt aufs erste Anhören hin sehr schön. Werde ich mich mal weiter damit befassen. Danke noplace.
XY
2010-03-27 17:47:52 Uhr
Dann kann ich dir The Paper Chase ans Herz legen!
noplace
2010-03-27 17:10:29 Uhr
es gibt mit sicherheit in diesem jahr kein album mehr , was mehr entspannen könnte als dieses. ich bin begeistert von der seelenruhe, die das hören dieser band in mir hinterlässt.

manch einer wird sagen, langweilig. aber der weiß vorab vielleicht auch, dass er hier nichts finden wird, was er zu mögen gedenkt.

die 7/10 ist ein minimum für diese scheibe.
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