Dead Western - Suckle at the supple teats of time

Dead Western- Suckle at the supple teats of time

Discorporate / Soulfood
VÖ: 26.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die satanische Spirale

Vergesst Hella und Sabine. Vergesst Schubia, Inspira und die ganzen anderen Knallchargen aus den Astro-Call-In-Sendungen. Vergesst einfach alle diese Menschen aus den privaten Fernsehprogrammen, die behaupten, einen Draht ins Jenseits zu haben. Denn lasst Euch gesagt sein, diesen Draht, den hat ausschließlich Troy Mighty, Sänger und Frontmann der Band Dead Western. Und noch viel besser: Mighty hat nicht nur den unmittelbaren Kontakt zur anderen Seite, wohin "the old men go", sondern sogar zum Teufel höchstpersönlich. Wer also schon immer einmal wissen wollte, was den Beelzebub so umtreibt und wie es den verlorenen Seelen in der Hölle geht, der braucht bloß "Suckle at the supple teats of time" zu lauschen.

Dass aber gerade das diabolischste Stück von allen "A song to calm the minds" heißt, ist natürlich ein klasse Witz. "I am home alone and I am scared", würgt es fast aus Mighty heraus. Die Gänsehaut stellt sich auf vor Schreck darüber, in welch höllische Tiefen die gedoppelte Stimme vordringen kann. Tom Waits ist mit Sicherheit ein bisschen neidisch auf dieses schauderhaft intonierte Stück Musik. Nicht weniger neidisch dürfte Waits auf "The old men go" sein, ein in dreieinhalb Minuten aufgeführtes fiebriges Schauspiel, beklemmend, ungreifbar und flatterhaft. Es sind Impressionen des ewigen Orkus-Feuers, die sich songgerecht auf Dead Westerns zweitem Longplayer entfalten können. Das hier ist nichts für schwache Gemüter.

Ähnlich wie seinerzeit "Life on earth" von Tiny Vipers droht jedoch auch bei "Suckle at the supple teats of time" hin und wieder der Sekundenschlaf aufgrund stilistischer Einfalt. Anders jedoch als Jesy Fortino weiß Troy Mighty, wann es an der Zeit ist, einen Song auch einfach mal einen Song sein zu lassen. Dieses Album braucht nicht über eine Stunde Spielzeit, um zu sagen, was es sagen möchte. Hier reichen rund 45 ruhige Minuten. Besonders in den Vordergrund treten die Stellen, die sich sanft vom Einerlei aus einlullend mephistophelischer Stimme und gezupfter Gitarre abheben. Im Opener "So many signs" sind dies die kaum merklichen Streicher, die sich sachte einen Weg in die Songstruktur bahnen. Oder auch der mehrstimmige Chor in "Not really here at all", der sich untermalt von Glockenspiel wie aus dem Nichts erhebt.

Es sind die Gegensätze von zumeist hellem, klarem Sound und dieser depressiven, grausam zerstörerischen Stimme aus der Unterwelt, die eine unglaubliche Spannung erzeugen. In dieser Spannung dreht sich die Spirale von "Suckle at the supple teats of time" immer weiter herab, in bisher ungeahnte Tiefen. Der Hörer wird mit hinabgezogen, doch erst bei Bodenkontakt ließe sich sicherlich spitzenmäßig mit Troy Mighty sprechen. Oder durch ihn. Dann ließe es sich vielleicht auch etwas besser verstehen, dieses traurige Geschöpf.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Not really here at all
  • The old men go
  • A song to calm the minds

Tracklist

  1. So many signs
  2. Not really here at all
  3. The farthest sea
  4. A father ain't a man
  5. The old men go
  6. Courageous eyes
  7. A song to calm the minds
  8. The killers
  9. The mockery
  10. Where the wind will blow

Gesamtspielzeit: 46:58 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hanskartoffel
2012-03-13 18:31:36 Uhr
grad mal wieder "not really here at all" gehört... junge junge ist das gut!!! scheint aber leider total untergegangen zu sein , anders sind zwei beiträge nicht zu erklären. leute die auf woven hand, bonnie prince billy oder tom waits stehen sollten bei besagtem song definiv lust auf mehr bekommen!
Munova
2010-04-20 13:18:13 Uhr
Was für eine Stimme!

Aber wie kann man das Album als "depressiv" beschreiben? Der Kerl ist doch ein düsterer Hippi, der sich nach Sonne sehnt.
Lars
2010-03-20 21:27:46 Uhr
Da hat der Rezensent aber gekonnt am Wesentlichen vorbeigeschrieben. Völlig verkannt. Schwach!

Egal, das Album ist spitze.
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