The Avett Brothers - I and love and you

The Avett Brothers- I and love and you

Columbia / Sony
VÖ: 19.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schön, um wahr zu sein

"Dem Wahren Schoenen Guten". So prangt es in erhabenen, in Stein gemeißelten Lettern von der Front der Alten Oper in Frankfurt, und so prangt es sicherlich auch auf den Gehirnwindungen der Brüder Scott und Seth Avett. "There was light in the room / Then you left and it was through" - die Liebe zu ihren Mitmenschen und ein Sinn für die Schönheit des Lebens wider das Traurige definiert den Indiefolk von The Avett Brothers mit seinen Wurzeln in Country, Bluegrass und Americana. "Glaube, Liebe, Hoffnung", nur eben säkular geäußert. Dabei würde eine religiöse Botschaft nur allzu gut zu der sakralen, erhebenden Feierlichkeit passen, die man schon von Bands wie Arcade Fire kennt und die insbesondere den Titeltrack und "Head full of doubt/road full of promise" auszeichnet: Sehnsüchtig überschreibt die Geige die Klavierakkorde, die wie Glockenschläge im Song widerhallen, während das Geschwisterpaar Avett im Chorgesang kleine Botschaften von Hoffen und Lieben aussendet.

Schon in manchen von den am Altar des Lebens zelebrierten Klaviernummern drängt jedoch auch rohe Folk-Energie an die Oberfläche: In der Mitte kippt der piano- und streicherselige Heiligenschein von "The perfect space" kurz in fröhlichen bis rotzigen Folkpop, und in "Kick drum heart" findet sich die Tradition von Americana plötzlich in einem sonnigen, klavier- und kickdrum-besoffenen Indiepopsong der Marke Ben Kweller wieder, an dessen Ende die sonst solide ruhenden Stimmen der Avett-Brüder glatt einen kleinen Überschlag nach vorn machen. "Laundry room" besinnt sich dagegen auf Gitarren-Country, und "January wedding" geht mit seinem Bluegrass-Banjo und seinem 2/4-Takt sogar noch einen Schritt weiter. "Tin man" ist dann vielleicht das beste Beispiel, wie sich die schwere, amerikanische Melancholie eines Townes Van Zandt mit den reichen, verspielten Pop-Arrangements der Beatles bekannt machen lässt.

"Slight figure of speech" grenzt als verspielte Rocknummer schließlich gar an weichgespülte Ramones bzw. abgehärtete Beach Boys. Doch auch, wenn es mal energischer und lauter wird auf "I and love and you", wenn "It goes on and on" zur Queen-Harmonie nach vorne stapft - der Heiligenschein und die Pop-Süße bleiben immer nahe bei dieser umarmenden Version von Folk. Diesen Aspekt hat Produzenten-Legende Rick Rubin auf dem bereits sechsten Album von The Avett Brothers sicherlich nicht zufällig noch deutlicher in den Mittelpunkt gestellt: Zu den direkt von Herzen kommenden Texten passt die klare, volle Produktion besser, als es der angeschmuddelte Folk-Charme früherer Bandtage getan hätte. So viel musikalischer Zucker macht nach einer guten Dreiviertelstunde zwar enorm satt, eine Überdosis hat man sich bis hierhin jedoch nicht eingehandelt. "I and love and you" ist gerade schön genug, um wahr zu sein.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • I and love and you
  • Head full of doubt/Road full of promise
  • Kick drum heart
  • Slight figure of speech

Tracklist

  1. I and love and you
  2. January wedding
  3. Head full of doubt/Road full of promise
  4. And it spread
  5. The perfect space
  6. Ten thousand words
  7. Kick drum heart
  8. Laundry room
  9. Ill with want
  10. Tin man
  11. Slight figure of speech
  12. It goes on and on
  13. Incomplete and insecure

Gesamtspielzeit: 47:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
me
2011-08-16 12:46:17 Uhr
Supertruppe, die Mumford & Sons spielend in die Tasche steckt.
kingsuede
2011-08-16 10:23:02 Uhr
War gestern ein grandioses Konzert im G9 zu Köln.

Heute in München.
captain kidd
2011-03-07 17:54:02 Uhr
noch immer top. geil auch der oasis-einschlag bei ill with want. tipp: alle ungeraden titel sind hits.
Reverend Green
2011-01-15 17:41:47 Uhr
Ein von mir leider übersehenes Jahreshighlight 2010. Wirklich großartiges Album.
captain kidd
2010-04-18 20:04:32 Uhr
als ob elton john und the band ein album gemacht hätten. geil.
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