Attack In Black - Years (By one thousand fingertips)

Attack In Black- Years (By one thousand fingertips)

Dine Alone / Soulfood
VÖ: 02.04.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Unter den Wolken

Es ist ja verständlich, dass viele Menschen Angst vor dem Fliegen. Von hier unten, eine Körperlänge vom beruhigenden Fußboden des Arbeitszimmers entfernt, sehen die vorbeiziehenden Wolken zum Greifen nahe aus. Das sind sie aber erst, wenn man in einigen Kilometern Höhe in einer mehrere Tonnen schweren Blechbüchse mit 700 Stundenkilometern über den Atlantik düst und neben sich die mit Kerosin gefüllten Flügel des Langstrecken-Airbus wackeln sieht. Kein Wunder also, dass Attack In Black nach ihrem Jungfernflug lieber am Boden bleiben.

Nachdem sie auf ihrem Debüt-Album "Marriage" Folk, Americana und Punkrock ganz vorzüglich miteinander vermengt haben, verschwinden die verzerrten Gitarren nun im Hintergrund, manchmal sind sie überhaupt nicht zu hören. Wer mal die Solowerke von Greg Graffin, Mike Ness oder Joey Cape gehört hat, weiß, dass sich unter lauten Punksongs simple, eingängige Melodien und klassische Songwriterkunst verbergen. Das Faszinierende an "Marriage" war die Verbindung dieser beiden Aspekte auf einer Platte, in einem Song. Auf "Years (By one thousand fingertips)" bleibt davon meist nur das Skelett übrig. Vieles erinnert eher an Klangskizzen als an Songs.

Immer hofft man beim Hören auf den Ausbruch. Das mag mit den Hörerwartungen an die Band zu tun haben. Aber wenn es dann zwischendurch mal lauter wird, befreien sich Attack In Black aus der Mittelmäßigkeit. "Birmingham" ist so ein Song, in den sich plötzlich und unerwartet eine völlig übertrieben verzerrte Gitarre einschleicht und die Heile-Welt-Stimmung ein bisschen mit grobem Sandpapier bearbeitet. Ein anderes Beispiel ist das fast an alte Zeiten erinnernde "Liberties", das mit seiner wunderschönen Melodie und euphorischen Harmonien nach vorne stürmt oder das etwas langsamere Gänsehaut-Stück "Moon of day".

Unter den 16 Songs auf "Years (By one thousand fingertips)" finden sich aber einfach zu viele Lückenfüller. Das sind Songs wie "Messenger bird", "Beasts" oder "The surface I would travel", die über vier Minuten nur so dahinplätschern und nach einem netten Einstieg keinen Charakter entwickeln. Auf über 50 Minuten fallen solche Albumstrecker einfach auf. Dabei verstecken sich auch auf der zweiten Hälfte der Platte einige Kleinode. "I'm a rock" komprimiert das Folkschema auf zwei spannende Minuten, und "Blood (In the tracks)" gefällt durch seinen collagenartigen Aufbau, den entspannten Gesang und die Aufeinanderschichtung von akustischen und elektrischen Gitarren. Es hätte Attack In Black gut getan, ein bisschen weniger Gepäck mitzunehmen, wenn sie denn schon am Boden bleiben wollen. Die Reise wäre ein Stück weniger schwerfällig.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Birmingham
  • Liberties
  • Moon of day

Tracklist

  1. Years (By one thousand fingertips)
  2. Leaving your death in a flowerbed
  3. Birmingham
  4. The greater Niagara circle route
  5. Liberties
  6. I could turn
  7. Beasts
  8. Leather jacket
  9. Messenger bird
  10. Seeds
  11. Slender loris
  12. I'm a rock
  13. Blood (In the tracks)
  14. Moon of day
  15. Browness of her curls
  16. The surface I would travel

Gesamtspielzeit: 51:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ralph
2009-03-13 17:46:52 Uhr
Neues Album von Attack In Black ist da. Geht eher in Richtung "The Curve Of The Earth". Jetzt klingen sie (weitestgehend) wirklich genau wie die Weakerthans. Nach einem Hördurchgang: Vermutlich auf einer Ebene mit Curve.
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