Ringo Starr - Y not

Ringo Starr- Y not

Roccabella / Universal
VÖ: 26.02.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unter Schätzchen

Es ist natürlich großer Quatsch, Ringo Starr für einen musikalischen Grobian zu halten. John Lennon wurde zu Lebzeiten niemals müde, Starr als einen der großen Rockschlagzeuger seiner Generation zu bezeichnen. So sagte er einst: "He is not technically good, but I think Ringo’s drumming is underrated the same way Paul’s bass playing is underrated." Ausgebildet in der Schule der größten Songwriter der Geschichte, war es für Starr kein Leichtes, aus diesem Schatten herauszutreten. Er schaffte dies genau zweimal, und zwar mit "Octopus's garden" und "Photograph", zwei ausgefuchsten, grandiosen Popsongs. Die Stärken von "Y not" liegen dann aber doch woanders: in der Auswahl der musikalischen Mitstreiter und der Vereinigung der letzten lebenden Beatles.

Neben Paul McCartney liest sich die Liste der Gäste ziemlich spektakulär: Ben Harper, Joe Walsh, Richard Marx, Joss Stone und Van Dyke Parks wirken auf "Y not" mit, entsprechend vielschichtig gestaltet sich die Setlist. Von Blues und amerikanischen Standards bis zum urenglischen Mersey Beat decken die zehn Songs eine große Bandbreite ab, wirken durch Starrs leichte, warme Stimme immer einnehmend und herzlich. "Walk with you", das Duett mit McCartney, schleppt sich zu einem schunkelnden Finale und zum offensichtlichen Highlight der Platte.

Das Duett mit Joss Stone gerät hingegen ziemlich blass. "Who's your daddy" mag als Songtitel zunächst zwar einigermaßen originell klingen, hebelt sich aber als dröge Rock'n'Roll-Nummer schon nach wenigen Sekunden selbst aus. Das schlichte, aber schön flockige "Peace dream" enttarnt Starr als altersmilden und zufriedenen Freizeitmusiker, der sich vom milden Klima Kaliforniens betören lässt. Das mag er sich verdient haben, als atmosphärischer Leitfaden der Platte ermüdet diese Attitüde jedoch relativ schnell.

"The other side of Liverpool" schwört noch einmal den revolutionären, aufbrausenden Geist von Liverpool am Ende der 50er Jahre herauf, glorifiziert die frühen wilden Zeiten des verdienten Schlagzeugers. Dies alles macht "Y not" zu einer durchaus netten und mit solidem Handwerk gespickten Platte. Viele sympathische Gesten gibt es zu belächeln. Doch ist das Album leider niemals überraschend. Ringo Starr macht seinem Ruf damit alle Ehre. Nur, dass er diesmal nicht unterschätzt werden kann. Und überschätzt nur schwerlich.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Peace dream
  • Walk with you

Tracklist

  1. Fill in the blanks
  2. Peace dream
  3. The other side of Liverpool
  4. Walk with you
  5. Time
  6. Everyone wins
  7. Mystery of the night
  8. Can't do it wrong
  9. Y not
  10. Who's your daddy

Gesamtspielzeit: 37:22 min.

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