Sivert Höyem - Moon landing

Sivert Höyem- Moon landing

Hektor / Ryko / Warner
VÖ: 26.02.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Am Lichtschalter

Ende, Schluss, Aus. Nach dem tragischen Tod von Robert Burås und der pietätvollen Vervollständigung "Madrugada" ist Sivert Høyem um eine Band ärmer. Zwischen psychotischem Blues, spröder Psychedelia und weihevollen Americanismen waren die Norweger 13 Jahre lang immer auf dem Sprung zum Meisterwerk. Gelungen ist es ist ihnen nie. Jetzt muss Høyem endgültig allein versuchen, die Halbschatten in Musik zu verwandeln. Und hat dabei gleich sein Ø gegen einen handlichen Umlaut ausgetauscht.

"Ladies and gentlemen of the opposition" und "Exiles", seine Solowerke noch zu Burås' Lebzeiten, waren dem Frontmann recht eigenständig, wenn auch etwas geradlinig gelungen. Dafür sorgte, dass sich die Kollegen die besten Songs für die Band aussuchten und Höyem mit dem unspektakuläreren Rest auskommen musste. Bei "Moon landing" fehlt nun die Qualitätskontrolle. Dennoch merkt man dem Album vom ersten Moment an, dass es mit ganzer Kraft Madrugada würdig sein will. Schon das endlose Tonleitern der Gitarren am Anfang von "Belorado" lässt jedoch böse Bluesrock-Ahnungen aufkommen. Wuchtige Powerchors wecken unschöne Erinnerungen an den Versicherungsvertreter-Rock aus Peter Rüchels Rockpalast. Beinahe neun Minuten lang knödelt sich Höyem in Richtung Bombast, und alles, was ihm zur Entschuldigung einfällt, ist das "Ba baba" des Background-Chors.

Zum Glück erinnert sich Höyem aber rasch an den dunklen Folk, der stets eine der Stärken Madrugadas war. "The light that falls among the trees" genießt das Adagio und verschwendet keine Zeit mit Overacting. Im Titelstück glänzt Höyems Bariton über Dire-Straits-Gitarren und sämigem Georgel. "What you doin' with him" hat zwar kein Oxford-Englich, aber einen knackigen Glamrock-Unterbau, und die gemächliche Salbung von "Going for gold" ist skandinavischer Soul. In solcher Musik steckt genügend aufrechter Pathos, um Höyems Ruf als nordischer Mark Lanegan zu festigen.

"Lost at sea" und die dramatisierte Kargheit "Shadows / High meseta" stecken dann wieder voll schrammelrockender Gitarren, halten sich aber mit reichlich Sägemehl und Hall pappige Beliebigkeiten meist erfolgreich vom Halse. Mit Klingeling, zickiger Steigerung und Höyems heiserer Leidenschaft verbreitet "Empty house" dann sogar rostigen Glanz. Das rumpelnde "High society" vergreift sich hingegen an Saxophon und zuckrigem Chor. So erreichen selbst die besten Momente von "Moon landing" die unruhige Spannung nicht, zu der Madrugada jederzeit in der Lage waren. Das warme Morgengrauen ist vorbei, Sivert Höyem ist im kalten Scheinwerferlicht angekommen. Es steht ihm nicht ganz so gut wie das flackernde Kerzenlicht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Moon landing
  • Shadows / High meseta
  • Empty house

Tracklist

  1. Belorado
  2. The light that falls among the trees
  3. Moon landing
  4. What you doin' with him?
  5. Going for gold
  6. Lost at sea
  7. Shadows / High meseta
  8. Empty house
  9. Hoigh society
  10. Arcadian wives

Gesamtspielzeit: 51:44 min.

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