The Besnard Lakes - The Besnard Lakes are the roaring night

The Besnard Lakes- The Besnard Lakes are the roaring night

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 12.03.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Raub der Flammen

Ein langsam vor sich hinrollender Nebel bedeckt die tristen Felder. Grau-bräunlich staubt der Untergrund, kein Mensch weit und breit. Sie sind alle geflüchtet, vor dem Feuer, vor der Kargheit der Landschaft. Das frisch verliebte Pärchen ist durch orangerot lodernde Wälder und grell funkelnde Seen voneinander getrennt. E-Mail gibt es nicht. Die Telegrafenmasten stehen schon längst nicht mehr wie fleißige Zinnsoldaten, sondern liegen darnieder wie Streichhölzer, großräumig verteilt über das apokalyptisch anmutende Areal. In fernem Schein flackert unnatürliches Licht. Im Nebel und Mottengeschwader erscheint ein Zug, der "Chicago train". Vielleicht die letzte Hoffnung der Flüchtenden, um die Küste zu erreichen und dort in schwere Dampfschiffe zu steigen, die über den tiefblauen Ozean gen Hoffnung fahren.

Das dritte Album des kanadischen Künstlerkollektivs The Besnard Lakes evoziert Impressionen der düsteren Art. Einnehmende Klangcollagen bestimmen hier das Bild und thronen auf einem Fundament aus Widerhall und Noise. Die feinen Melodien suchen sich ihren Weg durch das dichte Geäst der Geräusche. Das ist alles wunderbar trostlos und erschütternd, aufreibend und triumphal. Wie ein Schleier legt sich der sich Wechselgesang der Eheleute Jace Lasek und Olga Goreas über das Soundgeschwader, wobei Lasek wie die pessimistische Alternative zu Band Of Horses oder My Morning Jacket klingt. Bei aller anfänglichen Langsamkeit entwickeln die zehn Stücke einen schwarzen Sog, der den Hörer erst nach und nach verschlingt, da dieses Album so wenig offensichtlich ist wie die menschliche Gefühlswelt. Der Sound von The Besnard Lakes bewegt sich dabei stets gallant im Spannungsfeld von klassischem kanadischem Indie-Rock Marke Arcade Fire, trance-artiger Psychedelia und tiefblickendem Post-Rock.

Gute Kondition ist für dieses Album unerlässlich. Die Songs entfalten ihre Wirkung erst nach dem fünften oder sechsten Durchgang. Die Melodien lassen sich Zeit, wirken wie in Zeitlupe abgespielt und schimmern in allen erdenklichen Dunkelblautönen. Der Hall drückt und pumpt, steht in der Luft, prasselt in den unmöglichsten Augenblicken auf den Hörer herab und erlaubt so den emporsteigenden Gitarren Momente des Wohlklangs. "The Besnard Lakes are the roaring night" strahlt in jeder Sekunde eine einschüchternde Grandezza aus, die in ihrer Monumentalität an die Alben von den Decemberists gemahnt. Wer hier den Mut verliert, der wird die wartenden Dampfer und das womöglich rettende Ufer nicht erreichen. Und ein Raub der Flammen werden.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Chicago train
  • Albatross
  • Land of living skies pt. 2: The living skies

Tracklist

  1. Like the ocean, like the innocent pt. 1: The ocean
  2. Like the ocean, like the innocent pt. 2: The innocent
  3. Chicago train
  4. Albatross
  5. Glass printer
  6. Land of living skies pt. 1: The land
  7. Land of living skies pt. 2: The living skies
  8. And this is what we call progress
  9. Light up the night
  10. The lonely moan

Gesamtspielzeit: 46:38 min.

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